Als katholische Trägerorganisation von rund 90 Kindergärten und Horten in Wien hat uns der Anschlag in der Wiener Innenstadt tief betroffen gemacht. Das klare Statement der politischen Verantwortlichen, dass „niemals alle Angehörigen einer Religionsgemeinschaft oder Menschen aus einem bestimmten Land” dafür verantwortlich gemacht werden dürfen, sondern einzelne Extremisten, war und ist eine wichtige Botschaft. Unsere Gesellschaft darf aufgrund dieses Attentats nicht gespalten werden, jetzt ist Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenhalt wichtig – zentrale Werte unseres christlichen Menschenseins.
Feste und Feiern sind in unseren Kindergärten und Horten ein wichtiger Bestandteil und gerade in herausfordernden Zeiten geben sie Kindern Orientierung, Sicherheit und Stabilität.

Gelebte Religionspädagogik

Die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Religion ist in unseren Kindergärten und Horten ein zentrales Bildungsthema. Wir sehen es als Bildungsauftrag, den Kindern ein Kennenlernen von Religionen und Traditionen zu ermöglichen.
Unsere Feste und Rituale sind vielfältig, lebendig, unterschiedlich und werden immer mit dem Blick auf die Kinder, ihre Lebenswelten und deren Bedürfnisse gestaltet. „Kinder und Familien aller Religionen und Kulturen sind bei uns willkommen. Oftmals treffen sich im Kindergarten erstmals Kinder aus verschiedenen Kulturkreisen und mit unterschiedlichen Religionsbekenntnissen. Wir sehen dies als wertvolle Ressource, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen und im Kindergartenalltag zu verbinden“, erklärt Susanna Haas, pädagogische Leitung der St. Nikolausstiftung, die Haltung der Trägerorganisation.
So auch beim bevorstehenden Fest des Hl. Martins, welches rund um den 11. November mit den Kindern gefeiert wird.

Feste und Feiern während der Corona-Pandemie: am Beispiel des Martinsfestes 

Die verschärfte Corona-Situation ist im Rahmen des Attentats nur kurzfristig in den Hintergrund gerückt. Personalmangel, das Infektionsgeschehen, Quarantäne und jetzt auch Krankstände aufgrund des Anschlags fordern die MitarbeiterInnen vor Ort sehr. Trotz allem versuchen die MitarbeiterInnen den Fokus auf das Wohlbefinden und die Entwicklung der Kinder zu richten und ihnen den gewohnten Bildungsalltag zu bieten.

Wie Feste und Feiern aufgrund der derzeitigen Krise geplant und gefeiert werden, stellen wir am Beispiel des Pfarrkindergartens & Hortes Gatterhölzl im 12. Bezirk vor:
Bisher wurde das Martinsfest gemeinsam mit den Eltern in der Kirche gefeiert, im Anschluss haben die Kinder mit ihren Laternen das Licht in die umliegende Pfarrgemeinde getragen und sich zum Abschluss im Garten zum Ausklang des Festes getroffen. Der Fokus liegt heuer stärker als je zuvor auf der Geste des „Teilens“ und deren Bedeutung. „Im gemeinsamen Gesprächen hat sich herausgestellt, dass wir im Grunde ganzjährig dem Vorbild des Hl. Martin folgen und die Zeit rund um seinen Feiertag uns dabei hilft, uns daran zu erinnern. Täglich teilen wir die Jause, das Mittagessen, das Spielzeug, die Freude, unsere Gedanken, unseren Trost“, so Sonja Kaske-Friedl, Leiterin des Standortes Gatterhölzl.

Das Kindergarten-Team hat sich für das heurige Fest etwas Besonderes überlegt, um den Akt des „Teilens“ erlebbar zu machen. Im Vorfeld haben die Kinder gemeinsam mit den Pädagoginnen Tücher individuell gestaltet und mit Stofffarben verziert. In den Gruppenfeiern werden diese unter den Kindern sowie mit der Pädagogin und der Assistentin in zwei Teile geteilt. Jedes Kind darf einen Teil des persönlich gestalteten Tuches an ein anderes Kind verschenken. Diese können in weiterer Folge als Halstücher im Winter verwendet werden und erinnern an dieses schöne Ritual.

Den Bildungsalltag sowie Feste und Feiern im Kindergartenalltag an die Bedürfnisse der Kinder und die Situation anzupassen – das ist Kindergarten.

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