Kindergartenprojekt trotz Pandemie – neue Bildungsimpulse – Kindergarten als Lebens-, Lern- und Entwicklungsraum
Die Spannung und Freude ist im ganzen Kindergarten zu spüren. Seit Montag, 3. Mai, sind die Kindergartenkinder und das Team des Pfarrkindergartens Gatterhölzl für eine Woche auf Urlaub. Ja, richtig gelesen, auf Urlaub. Die beiden Kindergartengruppen aus dem ersten Stock haben die Gruppen mit den Kindern im Erdgeschoss getauscht. Und wie es sich für einen richtigen Urlaub gehört, sind die Kinder mit dem Sesselzug, Zugtickets, Lunchbox und Koffern oder Rucksäcken in die neue Gruppe gereist.

Für manche mag es nach einer lustigen Abwechslung im Corona-Alltag klingen, hinter diesem Projekt steckt aber viel mehr. „Die Idee entstand nach unserer gemeinsamen Fortbildungsveranstaltung zum Thema Raum. Vor Corona arbeiteten wir geöffnet, d.h. die Kinder konnten sich im ganzen Haus frei bewegen. Dies ist seit der Pandemie nicht mehr möglich. Außerdem sprachen die Kinder oft darüber, dass es derzeit nicht möglich ist, auf Urlaub zu fahren. In der nächsten Teamsitzung nach der Fortbildung haben einige Kolleginnen unabhängig voneinander den Wunsch geäußert, die Gruppen zu tauschen. Und so entstand innerhalb kurzer Zeit unser Urlaubsprojekt“, ist Sonja Kaske-Friedl, Leiterin des Kindergartens begeistert.

Bildungs- und Lernort Kindergarten
An erster Stelle steht die Ganzheitlichkeit des Projekts: Wer muss aller miteinbezogen werden? Was müssen wir beachten? Welcher Zeitplan ist realistisch? Wie können wir die Kinder miteinbeziehen? Müssen wir neben den gängigen Hygiene- und Sicherheitsbestimmungen noch weitere in Betracht ziehen? Und wie erzählen wir es den Kindern?

In einem Gesprächskreis wurde das Thema aufgegriffen und die Kinder gefragt: Wie wäre es, in die rote Gruppe auf Urlaub zu fahren? Die Neugierde war gleich geweckt und schon wurde besprochen, was für einen Urlaub unerlässlich ist: ein Koffer, ein Rucksack, Gewand etc. „Einen Kugelschreiber, der ist sehr wichtig“, so ein Kind. Und was auch nicht fehlen darf, ein Reiseprospekt. Jede Gruppe erstellte eines. Die Kinder haben gemeinsam entschieden, was fotografiert und zu den Fotos dazugeschrieben wird, damit die anderen Kinder einen Eindruck von ihrer Gruppe und den Vorzügen bekommen. „Partizipation ist uns im Alltag wichtig, denn Kinder lernen hier bereits das Prinzip einer Demokratie kennen. Jeder einzelne Vorbereitungsschritt enthält viele Lernmöglichkeiten. Wir haben abgestimmt, ob wir mit dem Bus oder dem Zug auf Urlaub fahren. Was muss und möchte ich auf Urlaub mitnehmen? Ganz nebenbei wird die Merkfähigkeit der Kinder gestärkt. Was ist ein Reiseprospekt oder ein Souvenir? Dabei wird der Wortschatz der Kinder erweitert“, erklärt Kaske-Friedl.

Die Eltern wurden in einem Elternbrief sowie im wöchentlichen Newsletter über die Reisevorbereitungen informiert. Die Vorfreude und die Abenteuerlust waren auch bei ihnen spürbar.

„Voll super mit dem Kofferservice!“
Und was hat den Kindern am Urlaubsprojekt bisher am besten gefallen?

Bei der Anreise:
„Die Zugfahrt war so aufregend und als die Sonja die Karten so kontrolliert hat!“
„Das war so witzig, wie du (Sonja) mit der Pfeife gepfiffen hast!“
„Echt toll, da hatten wir sogar ein Jausenpaket mit!“
„Voll super mit dem Kofferservice!“

Das Tolle an der anderen Gruppe:
„Es ist toll von oben zu winken – so sehen wir alles!“
„Da kann man rausgehen wann man will!“
„Der Bauernhof und so mit Pferden ist cool!“

„Kinder zu stärken und ihnen vielfältige Bildungsimpulse zu ermöglichen, ist auch in einer Pandemie von großer Bedeutung. Die pädagogische Arbeit im Kindergarten musste aufgrund der strengen Hygienebestimmungen oftmals verändert werden. Wir haben in diesem herausfordernden Jahr schon viele Beispiele in unseren Kindergärten erlebt, wie Handlungsweisen überdacht und angepasst wurden und daraus sind tolle neue pädagogische Projekte entstanden. Viele unserer Kindergärten sind gruppenübergreifendes Arbeiten im pädagogischen Alltag abseits der Pandemie gewöhnt, als Alternative kann ein Gruppentausch ein passender Bildungsimpuls sein“, ist Jutta Niedermayer, Inspektorin der St. Nikolausstiftung, erfreut.

Das Urlaubsprojekt im Pfarrkindergarten Gatterhölzl in Meidling ist nach dem Pädagogischen Nachmittag, einer verpflichtenden Fortbildungsveranstaltung für alle 1150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der St. Nikolausstiftung, entstanden. Und es ist noch nicht abgeschlossen. Von den Kindern kam der Wunsch, dass der Urlaub verlängert wird. Nach der Abstimmung in allen Gruppen ist das Ergebnis sehr klar ausgefallen, der Urlaub wird um eine Woche verlängert.

1 Kommentar
  1. Susanne Stocker-Sedelmayer
    Susanne Stocker-Sedelmayer sagte:

    So eine tolle Idee!
    Das werden die Kinder sicherlich lange in Erinnerung behalten.
    Gratulation an das Gatterhölzl-Team!
    Ach ja…. und: netter Versuch, sehr verlockend, aber – leider – unsere Familienplanung ist abgeschlossen 😀

    Ganz liebe Grüße schicken
    Susie & Alex mit Pauli und Leni Sedelmayer

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