“Genug ist genug!” – Wiener KindergartenpädagogInnen schlagen Alarm!

Systemrelevanter Bereich braucht bessere Rahmenbedingungen

In Wien werden 62.370 Kinder (71,1 Prozent) von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bei privaten Trägern in elementaren Bildungs-und Betreuungseinrichtungen arbeiten, gefördert und ganztägig betreut. Die größten privaten Träger sind in die Wiener Kinderfreunde (2.065 Beschäftigte, 11.389 betreute Kinder), „Kinder in Wien“ (1.616. Beschäftigte, 7.177 betreute Kinder) und die St. Nikolausstiftung (1.150 Beschäftigte, 6.300 betreute Kinder).

Die Corona-Pandemie führt eindrucksvoll vor Augen, wie wichtig und systemrelevant die Elementarpädagogik für das Funktionieren der Gesellschaft ist. Gleichzeitig findet dieser Bereich, im Unterschied zu anderen systemrelevanten Tätigkeiten, bislang kaum Beachtung in der öffentlichen Berichterstattung. Corona führte zu enormen Stress, Verunsicherung und zusätzlichen Arbeitsdruck unter den Beschäftigten. Aus psychologischen Gründen (das Erkennen der Mimik ist bei jungen Kindern sehr wichtig) wird in der Covid 19 Krise auf Schutzkleidung (Mundschutz) verzichtet, nur Handschuhe kommen bei pflegerischer Tätigkeit zum Einsatz. Auch der vorgeschriebene Abstand kann nicht eingehalten werden, da Kinder grundsätzlich, aber besonders in Zeiten der Verunsicherung, Körperkontakt und Trost brauchen und suchen.

Von der Politik fühlen sich viele aktuelle in Stich gelassen. Es fehlen klare Vorgaben und Richtlinien.

Dabei sind Arbeitsdruck und Arbeitsverdichtung seit Jahren ein großes Thema. Das Berufsbild hat sich massiv verändert, während die Rahmenbedingungen seit Jahrzehnten nicht an das neue Berufsbild angepasst wurden. Elementarpädagogik legt das Fundament für den späteren Bildungsverlauf. Dennoch wird Elementare Bildung seit Jahren systematisch unterfinanziert und die politisch Verantwortlichen schieben sich die Zuständigkeit gegenseitig zu.

Die Arbeitsbedingungen wurden sogar schlechter und die Unzufriedenheit der KollegInnen stieg mit dem sich stets verdichteten Arbeitsdruck. Das Personal deckt längst dank ihres hohen Engagements oft gröbste Lücken ab, Erschöpfung und Burnout sind häufige Folgen. Covid 19 hat die Situation noch einmal verschärft.

KollegInnen sind kampfbereit

Nach einem Jahrzehnt der Verhandlungen und wiederholter öffentlicher Proteste fordern die BetriebsrätInnen der großen privaten Trägerorganisationen und einiger kleinerer Institutionen nun endlich konkrete Schritte.

Betriebsversammlungen während der Arbeitszeit im öffentlichen Raum waren bereits in Vorbereitung, mussten aber aufgrund der Pandemie vorerst aufgeschoben worden.

Ohne eine spürbare Entlastung können die KollegInnen weder dem steigenden Förderbedarf noch den gestiegenen pädagogischen und administrativen Anforderungen qualitativ gerecht werden. Sie sind am Limit!

BetriebsrätInnnen fordern Politik zum Handeln auf

Die Kompetenzen für Gesetzgebung und Vollziehung − und damit die Hauptzuständigkeit für den elementaren Bildungsbereich − liegen bei den Ländern. Für einzelne Bereiche sind aber auch Bund, Gemeinden und Träger zuständig. Während im schulischen Bereich das Bildungsministerium die Verantwortung trägt, fehlt im elementaren Bildungsbereich die Bundeskompetenz. Unklarheiten bezüglich der Kompetenzbereiche führen zu Verunsicherungen, Intransparenz und ungleichen Rahmenbedingungen.

Die Covid-19 Krise sollte der Anlasse sein, endlich prinzipielle Entscheidungen für eine positive Entwicklung der Elementarpädagogik zu treffen!

Wir fordern:

  • österreichweite einheitliche Strukturbedingungen und damit österreichweite Qualitätssicherung
  • ein einheitliches Bundesrahmengesetz
  • ausreichende Finanzierung sowie ein bundesweit einheitliches Finanzierungssystem
  • ein gleichwertiges Entlohnungssystem
  • einheitliche Standards zu Gruppengröße und Betreuungsschlüssel nach internationalen wissenschaftlichen Erkenntnissen
  • ausreichende Zeitressourcen für Weiterbildung, Planung und Reflexion
  • bundeseinheitliche Ausbildung für unterstützendes Personal (AssistentInnen)

Gewerkschaftliche Unterstützung

Die Wiener GPA-djp mit der Themenplattform Elementar-, Hort- und Freizeitpädagogik unterstützt die Forderungen der BetriebsrätInnen. Seit Jahren formuliert die Wiener Themenplattform in Gesprächen mit den zuständigen Politikern und bei Protesten (z.B. 2009 „SOS Kindergarten“, 2012 „Kindergarten: Achtung Einsturzgefahr!“ oder 2015 „Ausgespielt! Es reicht!“) die Anliegen der Beschäftigten. Keine der bekannten Forderungen wurden bislang bei Gesetzesänderungen berücksichtigt.

Mit dem heutigen Tag startet eine Unterschriftenaktion, in der zentralen Forderung nach einer Verbesserung der Rahmenbedingungen an die Politik gerichtet werden.