In Fülle leben: Religion und Vielfalt im Kindergarten

,

Im Kindergarten trifft sich unsere Gesellschaft zumeist zum ersten Mal in ihrer gesamten Vielfalt: Kinder, Eltern, PädagogInnen und AssistentInnen mit vielfältigen kulturellen und religiösen Hintergründen, Erfahrungen und Überzeugungen kommen in dieser Lern- und Lebenswelt täglich zusammen. Das sensible Wahrnehmen und konstruktive Annehmen dieser Vielfalt ist eine große Herausforderung für alle Beteiligten und bietet elementare Chancen für ein gelingendes Zusammenleben.

Die Bildungsinstitution Kindergarten war im letzten Jahr oft im negativen medialen Interesse, auch die Vermittlung von Religion stand dabei in der Kritik. Ein wichtiger Grund – vor allem als katholische Trägerschaft von Kindergärten und Horten – sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Im Zwei-Jahres-Rhythmus organisiert die Stiftung für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine pädagogische Fachtagung, um neue Inputs zu bekommen und die Weiterbildung der Kolleginnen und Kollegen zu forcieren.
Bildungsministerin Dr. Sonja Hammerschmid eröffnete die Fachveranstaltung und betonte in ihren Einleitungsworten, wie wichtig die Institution Kindergarten für die Bildungslaufbahn der Kinder ist: "Die Elementarpädagogik ist das Fundament, auf dem alle weiteren Bildungs- und Lebenskarrieren aufbauen. Daher müssen wir bei den Jüngsten beginnen und von Anfang an professionelles Handeln durch gute Rahmenbedingungen unterstützen und den Praktikerinnen und Praktikern Werkzeuge an die Hand geben, um bestmöglich arbeiten zu können."
 
"In Fülle leben: Religion und Vielfalt im Kindergarten" – so der Titel des 7. Pädagogischen Tages. Religion und Vielfalt prägen die St. Nikolausstiftung – unsere 1000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen aus 18 verschiedenen Ländern und sprechen 14 unterschiedliche Sprachen. Die 6100 betreuten Kinder und deren Familien stammen aus 82 Ländern, sprechen 42 Sprachen und haben 24 unterschiedliche Religionsbekenntnisse. "In unserem Leitbild steht: Wir achten alle Menschen in ihrer Einmaligkeit und Würde. Ein respektvoller Umgang mit verschiedenen Weltanschauungen und Kulturen sowie die Offenheit für Neues bereichern unseren Alltag. Das gilt für uns als Team sowie auch für die uns anvertrauten Kinder", erklärt Mag. Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung die Haltung der Trägerschaft.  

Vielfalt bildet!
Gerade in der Kindheit werden Weichen in Bezug auf Toleranz und Offenheit gestellt. Hier kommt dem Kindergarten eine besondere Aufgabe zu, indem allen Kindern ein sicherer Ort zur Entwicklung geboten wird – unabhängig ihres Umfeldes und ihren Vorerfahrungen. Werden Kinder in ihrer Ganzheitlichkeit wahr- und ernst genommen, erleben sie, dass sie unabhängig von Kultur und Religion willkommen sind. Dieser achtsame Umgang wird von Kindern sehr sensibel aufgenommen und damit erschließen sie sich in weiterer Folge "ihr Bild von der Welt".
"Kinder orientieren sich an ihrer Umgebung gleichermaßen wie am Verhalten der PädagogInnen und AssistentInnen und die erlebte Anerkennung der eigenen Religion und Kultur trägt zu einem positiven Selbstbild bei. Somit kann die Institution Kindergarten, die sich achtsam mit Vielfalt beschäftigt, nachhaltig zu einem gelingenden Zusammenleben beitragen", verdeutlicht Susanna Haas, MA, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung die Wichtigkeit, sich mit dem Thema Vielfalt zu befassen.

"Wie viele Götter sind im Himmel?"
Eine Frage, die oft von Kindern im Kindergartenalltag gestellt wird und der Dr. Christoph Knoblauch, Leiter der Abteilung "Frühe Bildung" am KIBOR der Universität Tübingen, in seinem Fachvortrag "Religionssensible Bildung im Kindergarten und Hort" nachging. Er betonte unter anderem die Notwendigkeit, sich mit eigenen kulturellen und religiösen Vorstellungen und Prägungen auseinanderzusetzen und laufend zu reflektieren, um als PädagogIn bzw. AssistentIn religions- und kultursensibel agieren zu können.

Dr. Regina Polak, Assoz. Professorin für Praktische Theologie und Religionsforschung an der Universität Wien, verwies in ihrem Impulsvortrag zum Abschluss wie man angesichts globaler Bedrohungsszenarien dennoch gut leben kann, was christliche Spiritualität in dieser Situation bedeutet und wie "Hoffnung" gelernt werden kann.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar