23.06.2017


Der (konfessionelle) Kindergarten

Bundesweite, einheitliche Qualitätsrichtlinien gefordert


Das politische Tauziehen um den Kindergarten ist wieder einmal eröffnet: ein zweites Kindergartenjahr für Kinder mit zu geringen Deutschkenntnissen, der Förderstopp für Problemkindergärten, ein religiöser Leitfaden für die Wiener Kindergärten und so weiter.

Als erste Bildungseinrichtung wird er schon wahrgenommen, bei Bildungsreformen schon mitbedacht, aber der Stellenwert als Bildungseinrichtung wird meist nur dann erwähnt, wenn es um pauschale Kritik an bestehenden Einrichtungen geht. Vereinzelt werden Maßnahmen bereits umgesetzt, aber ohne die Verankerung der Elementarpädagogik im Bildungsministerium werden dringend benötigte Reformen auch weiterhin nicht flächendeckend umgesetzt werden können.
Seit Jahren fordern verschiedene Institutionen die Einführung bundesweiter, einheitlicher Qualitätsrichtlinien für alle Kindergarten- und KindergruppenbetreiberInnen. Der Bundesländerübergreifende BildungsRahmenPlan und die Bildungspläne der einzelnen Bundesländer geben zwar Richtlinien für die pädagogische Praxis vor – doch die Unterschiede in Bezug auf die Ausbildung des pädagogischen Personals, Zeit für mittelbare pädagogische Arbeit, Öffnungszeiten, Schließtage und den Betreuungsschlüssel sind breit gefächert.

Konfessioneller Kindergarten

Eine Gesamtverurteilung konfessionell geführter Kindergärten ist ungerechtfertigt. Religion kann und soll Thema sein dürfen, aber immer im Hinblick auf eine adäquate Pädagogik, die das Kind stärkt. Kinder bringen ihre Themen unmittelbar in den Kindergartenalltag mit ein. So auch religiöse Themen, die, wenn Kinder ganzheitlich wahrgenommen werden, zum Leben dazugehören. Aber es gilt für alle BetreiberInnen von Kindergärten bzw. Kindergruppen – unabhängig ob von Gemeinden, Stiftungen, Vereinen, Privatpersonen, Kirchen, politisch motivierten Organisationen, Betrieben oder dem Land geführt – die Einhaltung der jeweiligen Bildungspläne, Gesetze und der vorgegebenen Förderrichtlinien.

Die St. Nikolausstiftung und die Caritas für Kinder und Jugendliche (Linz) haben bereits 2010 einen Religionspädagogischen BildungsRahmenPlan im Verlag Unsere Kinder herausgegeben, der das Thema religiöse Bildung im Kindergarten aufgreift. Weiters erschien im Vorjahr der Leitfaden "GLAUBwürdig und KULTURreich" unter der Leitung von Susanna Haas. "Die Gesellschaft spiegelt sich im Kindergarten wider, daher haben Religionen und Vielfalt im Kindergarten ihre Berechtigung als Bildungsthemen. Ein gelebtes Miteinander in einer Atmosphäre der Offenheit und des Respektes ist die Basis eines friedvollen Zusammenlebens verschiedener Kulturen und Weltanschauungen", so Susanna Haas, MA, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung, zu den aktuellen medialen Diskussionen.