18.11.2019


30 Jahre Kinderrechte

Bildungsnotstand verhindern


Neue Regierung ist gefordert, allen Kindern die gleiche Chance auf eine gelungene Bildungslaufbahn zu garantieren.
"Kinder bilden das Potential der Zukunft jeder Gesellschaft, haben aber bereits in der Gegenwart als gleichwertige Mitbürgerinnen und Mitbürger umfangreiche Rechte. Dazu zählt das Recht auf ein Aufwachsen im Geist des Friedens, der Würde und Toleranz, auf ein Höchstmaß an Gesundheit, auf umfassende Bildung von Anfang an sowie auf Meinungsäußerung bei Angelegenheiten, die sie unmittelbar betreffen."
Vor 30 Jahren, am 20. November 1989, wurde bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen die UN-Konvention über die Rechte jedes Kindes beschlossen. Auch Österreich hat sich mit der Unterzeichnung verpflichtet, Kinderrechte ernst zu nehmen und bestmöglich umzusetzen.

Forderungen an die neue Regierung
Anlässlich der derzeit stattfindenden Regierungsbildung fordert die St. Nikolausstiftung die künftige Bundesregierung auf, den Fokus auf das Kindeswohl zu legen. Dazu gehört, dass jedes Kind unabhängig seiner Herkunft, des sozialen Umfelds, des Geschlechts und möglicher gesundheitlicher Beeinträchtigungen faire und entwicklungsfördernde Bedingungen vorfindet. Es ist eine Grundbedingung und zentrale Aufgabe eines demokratischen Staates, alle Kinder zu schützen, zu stärken und gleich zu behandeln.
"Im Rahmen des Jubiläums ist es uns wichtig darauf hinzuweisen, dass es in Österreich gerade im Bereich der Bildung große Unterschiede gibt. Von einer fairen Bildungslaufbahn – darunter verstehen wir, dass jedes Kind individuell nach seinen Bedürfnissen begleitet und unterstützt wird – sind wir weit entfernt", verweist Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung, auf gravierende Defizite in der frühkindlichen, institutionellen Bildung.

Ein Muss: Verbesserung der Rahmenbedingungen und einheitliches Bundesrahmengesetz umsetzen
Mehr als 365.000 Kinder besuchten 2018 einen Kindergarten, Kleinkindergruppe oder Hort. Betrachtet man das Angebot und die Rahmenbedingungen der Kinderbetreuungseinrichtungen zeigen sich massive Unterschiede zwischen den einzelnen Bundesländern. Mit den geltenden unterschiedlichen Standards kann Österreich derzeit keine strukturelle Chancengleich¬heit garantieren. Für den Fachkraft-Kind-Schlüssel, unmittelbare pädagogische Arbeit (Vorbereitungszeit, Beobachtung, Dokumentation, Planung etc.), Raumbedarf pro Kind, Öffnungs- und Schließzeiten sowie Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen braucht es ein bundesweites Rahmengesetz, das in ganz Österreich gilt. "Jedes Kind hat das Recht, auf eine individuelle, an seinen Bedürfnissen orientierte und qualitätsvolle Bildung. Im Jahr 2019 darf die Bildungslaufbahn des Kindes nicht vom Geburtsort und von der sozialen Herkunft des Elternhauses abhängig sein", fordert Susanna Haas, pädagogische Leitung der St. Nikolausstiftung, die Rahmenbedingungen im Kindergarten endlich zu verbessern. 

Der Kindergarten braucht multiprofessionelle Teams

Kinder lernen durch stabile und tragfähige Beziehungen. Gut ausgebildete ElementarpädagogInnen und Fachkräfte aus den Bereichen Sozialarbeit, Psychologie, Ergotherapie etc., die gemeinsam mit den Eltern an der Bildungslaufbahn der Kinder beteiligt sind, ergeben den Schlüssel für eine gute und gesunde Entwicklung des Kindes. Zahlreiche Studien belegen, dass sich ein früher Beginn der Betreuung und Bildung von Kindern in qualitativ hochwertigen Einrichtungen auszahlt und sich positiv auf den weiteren Lebens- und Bildungsverlauf auswirkt. Im Kindergarten können Kinder durch eine qualitätsvolle Pädagogik sprachliche, motorische, emotionale und soziale Kompetenzen, die sie ihr ganzes Leben benötigen, erwerben. Je früher Kinder mit Entwicklungsdefiziten professionell begleitet und unterstützt werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit auf eine gelungene Bildungslaufbahn.
Die zukünftige Regierung ist gefordert, sich endlich der Reform der Elementarpädagogik anzunehmen, damit jedes Kind eine faire Chance hat und der Bildungsnotstand verhindert werden kann! 

Rückfragehinweis:

Mag. Gabriele Zwick, g.zwick@nikolausstiftung.at, 0664/6101398