28.03.2020


#teamnikolaus - Georg Fröschl erzählt

Aufsichtsratvorsitzender der St. Nikolausstiftung


#teamnikolaus erzählt – Herausforderungen, Kommunikation und Kraftgebendes in Krisen

Mag. Georg Fröschl ist Pfarrer in Breitensee, Dechant des 14. Bezirks und seit 2019 Vorsitzender im Aufsichtsrat der St. Nikolausstiftung. Heute erzählt er uns wie die derzeitige Situation rund um das Coronavirus sein Alltag beeinflusst.

Wie geht es dir mit der aktuellen Situation?
Ich bin in meiner Wohnung, in der ich mich sehr wohl fühle. Einmal am Tag verlasse ich das Pfarrhaus für einen Spaziergang und einen Besuch in unserer offenen Kirche. Ich fühle mich nicht einsam, denn ich bin mit vielen Menschen in Kontakt und Austausch. Zum Essen mache ich mir selbst oder manchmal bringt mir jemand etwas. Ich bin dankbar, dass ich gesund bin. Ich schau auf mich, so gut es geht. Zum Lesen oder Filmschauen muss ich mir ganz bewusst Zeit nehmen, sonst komme ich nicht dazu. Also eine gute Tages-Struktur hilft mir sehr.

Wie sieht dein Arbeitsalltag derzeit aus?

Obwohl es derzeit viel weniger Termine gibt, sind die einzelnen Tage doch mit vielen Kleinigkeiten ausgefüllt. Positiv ist: Ich kann derzeit länger schlafen. Beginne dann den Tag mit Yoga-Übungen, mache mir dann mein Frühstück, das ich bewusst genieße, und schließe meine Morgenrituale mit der Laudes ab. Dann setze ich mich vor den Computer, schaue meine Mails durch, mache Telefonate und erledige Schreibaufgaben. Viele Leute der Pfarre haben meine Nummer und rufen mich an, um ein bisschen zu reden. Herausfordernd sind derzeit die Fragen, wie wir als Pfarre die Karwoche und Ostern feiern können und ob wir einen Live-Stream machen. Ich frage mich, wie ich als Pfarrer ohne die gemeinsamen Feiern mit der Gemeinde verbunden bleiben kann? Meine Verantwortung als Schulerhalter einer großen Volksschule (Anmerkung: Josefinum) verlangt von mir Entscheidungen, die nicht immer einfach sind. Nächste Woche werde ich zwei Begräbnisse feiern, die aber nur sehr kleine Feiern mit ganz wenigen Menschen im Freien sein werden.

Fehlt dir der Kontakt zum Kindergarten und Hort Breitensee und der Schule (Josefinum)?
Ja, mir gehen die Kinder sehr ab. Ich war ja oft in unserem Kindergarten und sehe fast jeden Tag Schulkinder, wenn ich unterwegs bin. Auch das direkte Gespräch mit den Menschen fehlt mir sehr. Die Straßen sind manchmal wie ausgestorben, aber ich versuche, die wenigen Leute grüßend anzulächeln, wenn ich an ihnen vorbeigehe. Dass die Spielplätze zugesperrt sein müssen, macht mich ein wenig traurig. Aber ich verstehe es.

Was möchtest du unseren MitarbeiterInnen als Vorsitzender des Aufsichtsrates mitteilen?

Für uns alle ist diese besondere Zeit sehr herausfordernd. Familien, die zu Hause nur wenig Platz haben und denen so manche technische Einrichtung für das gute Arbeiten daheim fehlt, haben es ganz schwer. Auch wenn jemand die Arbeit verliert, krank wird, andere betreuen muss oder einfach Angst hat, kann das eine Belastung sein. – Ich hoffe für alle MitarbeiterInnen der Stiftung, dass sie persönlich gut mit ihrer Situation umgehen können und das Beste daraus machen. Vielleicht ist die Kehrseite der Krise auch eine Chance?

Hast du einen Tipp, was in dieser Situation Kraft und Zuversicht gibt?
In den ersten Tagen der Krise ist in mir manchmal blitzartig die Frage aufgetaucht: Ist das alles wahr oder träume ich? Ich habe mich innerlich gegen die Tatsache gesträubt, dass so vieles anderes wird, ohne dass ich gefragt werde…
     
Vier Punkte sind mir derzeit hilfreich geworden, vielleicht helfen sie auch anderen:

  • Die Verbundenheit: mit der Familie, mit lieben Menschen, mit der Pfarrgemeinde; auch wenn wir uns nicht direkt begegnen können, spüre ich im Gebet, im Denken aneinander, beim Telefonieren, in Emails … eine gewisse Nähe. Ich erfahre Hilfsbereitschaft und will selbst auch helfen, wo es mir möglich ist.
  • Das Akzeptieren: ab dem Zeitpunkt, wo ich die Situation innerlich angenommen habe, dass es jetzt so ist, wie es ist, geht es mir besser. Auch wenn das ein Prozess ist, der in Wellen immer wieder ein neues Akzeptieren erforderlich macht. Ich erzwinge keine Antworten auf meine Fragen, ich lasse die Antworten schrittweise wachsen.
  • Die Tagesstruktur: ich teile mir den Tag so gut es geht ein. Rituale haben ihren besonderen Platz. Das Spazierengehen ist mir wichtig. Das Essen zelebriere ich. Den Fernseher schalte ich meist nur einmal zur Sendung „Zeit im Bild“ ein. Ich mache mir keinen Druck, versuche dankbar zu bleiben, das zu sehen, was gut ist.
  • Das Gebet und die Heilige Schrift: bewusster als sonst bete ich am Morgen und am Abend das Stundengebet – die Erfahrungen der Psalmen tragen mich. In den Tageslesungen der Messe spüre ich eine Tiefe, die Halt gibt und meinen Blick weitet. Auch das Rosenkranzgebet schenkt mir untertags manchmal ein vertrauensvolles Durchatmen.

Ich bin dankbar für das, was ich an Gutem erfahren darf. Ich vertraue euch alle der Liebe Gottes an und erbitte für euch Mut und Geduld.

Vielen Dank, dass du uns Einblick in deinen derzeitigen Alltag gibst!
Tipp: Auf seiner Webseite www.licht-spuren.com findet man viele Impulse, Gedanken, Gedichte etc.