09.07.2019


Leserbief der Geschäftsführung

Bei den Kindern bleibt der Aufschrei aus


Zum Kommentar von Eva Konzett, Falter 26/19, S. 7

Die Überschrift "Bei Kindern bleibt der Aufschrei aus" bringt die Problematik auf den Punkt. Die St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien, Trägerorganisation von aktuell 86 Kindergärten und Horten in Wien, und ExpertInnen aus dem elementarpädagogischen Bereich, appellieren seit Jahren an die Politik, die Rahmenbedingungen (Fachkraft-Kind-Schlüssel, Öffnungszeiten, mittelbare pädagogische Arbeit, Ausbildung etc.) zu verändern – und österreichweit einheitliche und verbindliche Standards festzulegen! Die Strukturen vor Ort sind wie vor 30 Jahren, jedoch steigen die Anforderungen an den Kindergarten von politischer Seite, aufgrund von wissenschaftlichen Erkenntnissen in der Pädagogik und weil sich die Gesellschaft stetig verändert. Gegen den seit vielen Jahren bestehenden PädagogInnen-Mangel wird nichts unternommen, aber es geht ja „nur“ um die Bildung und Betreuung von Kindern, den Schwächsten in unserer Gesellschaft.
Als Trägerorganisation stehen wir vor der großen Herausforderung unter den gegebenen – österreichweit diversen – Rahmenbedingungen bestmögliche Voraussetzungen vor Ort zu schaffen, für die Kinder und für unsere MitarbeiterInnen. Die Schaffung eines Rahmens für eine individuelle und ganzheitliche Begleitung der Kinder sowie die Etablierung von Qualitätsstandards obliegt zum größten Teil den Trägerorganisationen und ist abhängig von der Höhe der Fördergelder. Das Gleiche gilt für die notwendige weitere Fortbildung, vor allem in den ersten Dienstjahren, sowie das Mentoring und Begleiten von PädagogInnen, damit sie verantwortungsvoll mit Kindern arbeiten können und im Beruf der ElementarpädagogIn bleiben.
Das Kindergartenwesen in Österreich braucht endlich Klarheit und einheitliche, verbindliche, den wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechende und bundesweit gleiche Rahmenbedingungen, zum Wohle der Kinder, dem Personal und der Eltern. Dann nur könnte der Auftrag – Bildungseinrichtung und nicht bloß Betreuungseinrichtung zu sein – von allen erfüllt werden. Qualität wäre nicht nur Sache und Verantwortung einzelner Trägerorganisationen und die anspruchsvolle Arbeit im Kindergarten hinge nicht vom Engagement von Personen ab, sondern von geschaffenen und vorgegebenen Rahmenbedingungen.

Mag. Elmar Walter, Geschäftsführer und Susanna Haas, MA, pädagogische Leiterin

Anmerkung: In der Falter-Ausgabe 28/19 wurde eine verkürzte Version des Leserbriefes gedruckt. Hier der Link zum Kommentar.