KindergartenträgerInnen fordern Garantie eines qualitativ hochwertigen und kostenfreien Kindergartenplatzes für jedes Kind
AUFTRAG.BILDUNG. TrägerInneninitiative Kinderbetreuung: Fachkräftemangel in der Elementarpädagogik mit Ausbildungsoffensive begegnen

Anlässlich des Tages der Elementarbildung am 24. Jänner weist die TrägerInneninitiative Auftrag.Bildung einmal mehr auf die notwendigen Maßnahmen in der frühkindlichen Bildung hin: Es ist höchste Zeit für bundesweite, evidenzbasierte Mindestqualitätsstandards zu schaffen. Das gilt für die Gruppengröße genauso wie für die Anzahl der Fachkräfte. “Es macht einen großen Unterschied, ob PädagogInnen für 3 oder für 8 Kinder zuständig sind und ob in einer Gruppe 8 oder 15 Kleinkinder sind. Auch die Ausbildung für das pädagogische Unterstützungspersonal unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland gravierend”, so Barbara Gracher, Volkshilfe Österreich.
“Nur mit verbesserten Rahmenbedingungen können Inklusion und Chancengerechtigkeit in der ersten Bildungseinrichtung erreicht werden. Daher rufen wir anlässlich der neuen 15a Verhandlungen Bund und Länder auf, die Chance zu ergreifen und allen Kindern in Österreich die beste Bildung zu ermöglichen“, fordert Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung.

Von Vorarlberg bis ins Burgenland: Kinder verdienen gleiche Bildungschancen

“Egal, ob Kinder in Hittisau, Wien oder am Neusiedlersee aufwachsen, sie alle müssen die gleichen Bildungschancen bekommen, von Anfang an. In vielen Gemeinden gibt es noch immer keinerlei Angebote für unter 3-Jährige. Damit sind wir weit entfernt von der Erreichung der Barcelona-Ziele”, betont Doris Kendik, Fachreferentin für Kinder, Jugend und Familie des Hilfswerks.

Die TrägerInneninitiative Auftrag.Bildung ist der bundesweite Zusammenschluss von sieben gemeinnützigen sozialen Trägern von elementarpädagogischen Kinderbildungseinrichtungen. Diese kritisieren den vielzitierten “Fleckerlteppich” in Österreich und sehen klaren Handlungsbedarf hin zu bundesweiten, wissenschaftlich fundierten Mindeststandards. “Um Kindern gerecht zu werden und ihre Entwicklung bestmöglich zu fördern, braucht es außerdem gut ausgebildetes Personal, das angemessen entlohnt wird und genügend Zeit hat, das Wissen und Können in der Praxis anzuwenden.”, sagt Daniela Gruber-Pruner, Bundesgeschäftsführerin der Österreichischen Kinderfreunde. “Die Politik trägt jedoch nicht nur die Verantwortung, einheitlich hohe Qualitätsstandards zu setzen und sicherzustellen, dass diese eingehalten werden. Sie muss auch die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen”, hält Grete Miklin, BÖE, fest.

Langer Weg zur Chancengerechtigkeit: Chronisch kranke Kinder, Behinderungen, Armut
Aber nicht nur vom Wohnort ist abhängig, ob der Kindergarten für alle ein Platz ist, an dem sie sich selbstbestimmt und ihren Bedürfnissen entsprechend die Welt aneignen können. Denn Kinder mit Behinderungen, chronischen Krankheiten oder Kinder, die in Armut aufwachsen, werden oft vergessen. “Im Sinne einer Chancengerechtigkeit muss das Ziel sein, dass jedes Kind Anspruch auf einen kostenfreien und qualitativ hochwertigen Kindergartenplatz hat. Dass es bei weitem nicht genügend Plätze für Kinder mit Behinderungen gibt, ist beschämend. Alle Kinder müssen die Unterstützung bekommen, die sie brauchen”, betont Johanna Pisecky, Sozialexpertin der Diakonie Österreich.

Personaloffensive für die Kindergärten

Der Fachkräftemangel in der Elementarpädagogik ist nicht erst seit Beginn der Covid-19 Pandemie ein Problem. Es braucht dringend gezielte, kurz- sowie langfristig angelegte Maßnahmen zur Gewinnung von Personal. “Neben der Verbesserung der Rahmenbedingungen, damit das Personal im gewählten Beruf bleibt, braucht es Maßnahmen zur Gewinnung von neuem Personal, insbesondere eine Ausbildungsoffensive. Ganz wichtig sind Ausbildungsmodelle, die einen Quereinstieg oder einen Berufsumstieg ermöglichen. Nur dann können wir gewährleisten, dass auch der weitere notwendige Ausbau von Plätzen möglich ist“, so Edith Bürgler-Scheubmayr, Caritas Oberösterreich.

Im Namen von AUFTRAG.BILDUNG. Trägerinitiative Kinderbetreuung mit ihren Mitgliedern:
BÖE – Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen, Grete Miklin
Caritas Österreich, Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr
Diakonie Österreich, Mag.a Johanna Pisecky
Hilfswerk Österreich, Mag.a Doris Kendik
Österreichische Kinderfreunde, Mag.a Daniela Gruber-Pruner
St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien, Mag. Elmar Walter
Volkshilfe Österreich, Barbara Gracher, BA, MSc

Rückfragen & Kontakt:
Diakonie Österreich
Roberta Rastl
Pressesprecherin
0664 3149395
presse@diakonie.at

St. Nikolausstiftung
Mag. Gabriele Zwick
0664  610 13 98
g.zwick@nikolausstiftung.at

Ab heute gelten in Wien neue Quarantäne-Regeln im Kindergarten. Was bedeutet das für den Betrieb vor Ort? Manuela Trinkl, Leiterin Kindergarten Sacre Coeur, und Susanna Haas, päd. Leitung, nehmen im ORF Wien heute – Interview zur aktuellen Situation Stellung.
Hier der Link zur TVthek  und zum Artikel.
Wir bitten alle Eltern, die Kinder regelmäßig zu testen, damit wir den Kindergartenbetrieb zum Wohle aller – Kinder, MitarbeiterInnen und Familien – aufrechterhalten können.

Flächendeckendes Parkpickerl in Wien macht den Mitarbeiter*innen im Elementarbereich Kopfzerbrechen

Seit dieser Woche kann man sich für das flächendeckende Parkpickerl in Wien anmelden. Schon seit Bekanntwerden der Parkpickerl-Ausrollung weisen wir, zwei der größten privaten Kindergartenträger*innen, KIWI – Kinder in Wien und die St. Nikolausstiftung, darauf hin, dass es für viele Pendler*innen verkehrs­technisch unmöglich ist, auf das Auto zu verzichten. Da das Bereitstellen von Parkplätzen aus finanziellen Gründen den Träger*innen nicht möglich ist, fordern wir folgende Ausnahmeregelung: Wer einen systemrelevanten Beruf ausübt – wie die Mitarbeitenden in elementarpädagogischen Einrichtungen – soll das Recht haben, auch ohne Hauptwohnsitz in Wien das Parkpickerl beantragen zu können.

Die An- und Rückreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln kommt für viele Pendler*innen aus Niederösterreich, dem Burgenland und teilweise auch der Steiermark nicht in Frage, da sie – je nach Wohnort – öffentlich durchaus mehrere Stunden in Anspruch nehmen kann. Viele Pendler*innen sind leider noch immer auf das Auto angewiesen und sehen sich vor vollendete Tatsachen und ein massives Problem gestellt.

Die Corona-Pandemie zu meistern und den Betrieb in den Kindergärten und Horten aufrecht zu erhalten erfordert seit knapp zwei Jahren alle Kräfte. Der drohende Verlust von weiteren Mitarbeitenden aufgrund des Parkpickerls wird den Fachkräftemangel noch weiter verschärfen. „Vor allem die Kinder benötigen jetzt mehr denn je ihre gewohnten Bezugspersonen, die sie im Kindergarten- und Hortalltag begleiten und unterstützen. Eine Kündigungswelle von dringend benötigten Fachkräften können wir uns nicht leisten, wir wünschen uns ein rasches Handeln der politisch Verantwortlichen“, so die Geschäftsführenden von KIWI – Kinder in Wien und St. Nikolausstiftung.

Rückfragen & Kontakt:

Kinder in Wien (KIWI)
Susanne Borth, MSc
0664 886 89 008
s.borth@kinderinwien.at

St. Nikolausstiftung
Mag. Gabriele Zwick
0664 610 1398
g.zwick@nikolausstiftung.at

Ankündigung MitarbeiterInnen-Befragung 2022

Die St. Nikolausstiftung führt von 17. bis 28. Jänner 2022 die 5. MitarbeiterInnen-Befragung zur Erhebung der Gesundheit sowie der allgemeinen Zufriedenheit ihrer MitarbeiterInnen durch.
Die Befragung findet in Kooperation mit fit2work statt und ist anonym und freiwillig. Aber: Je mehr MitarbeiterInnen den Fragebogen ausfüllen, desto klarer sind die Ergebnisse und die Ableitungen daraus.

Die FAQs (häufig gestellte Fragen) sowie die Übersetzungen des Fragebogens in sieben Sprachen können in der Formulardatenbank heruntergeladen werden bzw. werden von der Vertrauensperson am Standort bzw. in der Geschäftsstelle zur Verfügung gestellt.

Alle weiteren Informationen erhalten alle MitarbeiterInnen am 17. Jänner 2022 per E-Mail.

Wir freuen uns auf konstruktives Feedback!

Irene Gager, Leiterin von unserem Pfarrkindergarten in Pötzleinsdorf, hat in der Reihe AlltagsheldInnen von ORF “Wien heute” über den Pandemiealltag im Kindergarten – der uns mittlerweile fast zwei Jahre bereits begleitet – erzählt. Die zusätzlichen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, viele Aufgaben wie z.B. die genaue Dokumentation der Kinderkontakte, die dazugekommen sind, die fehlenden Tür- und Angelgespräche mit Eltern – und warum es trotzdem ein schöner und erfüllender Beruf ist.
Der Beitrag ist in der ORF TVthek bis Montag, 17.01.2022 zum Nachsehen bereitgestellt: https://tvthek.orf.at/…/Alltagsheldin…/15076813

„Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg.
Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“
(Mt 2,9)

Die St. Nikolausstiftung wünscht ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest & alles Gute für das neue Jahr 2022!

Wie die Weisen

Wie die Weisen
prüfen und abwägen
beobachten und berechnen
wie die Weisen
neugierig sein
und auf der Spur bleiben
auswählen und verwerfen
wie die Weisen
forschen und Ausschau halten
lehren und lernen
wie die Weisen
suchen und aufspüren
und mit den Freunden
ein Ziel vor Augen haben
sicher sein und dem Stern folgen
nachfragen und auf Antwort warten
wie die Weisen
die Ratlosigkeit der Mächtigen ertragen
unterwegs sein und ankommen
wie die Weisen
Geschenke machen und anbeten
träumen und Gottes Weisung erfahren
wie die Weisen
hören und entscheiden
aufbrechen und unterwegs sein
wie die Weisen
sich nicht irre machen lassen
umkehren und den Weg ändern
wie die Weisen
den König suchen und das Kind finden
den Herrn suchen
und den Knecht finden
wie die Weisen
nach den Sternen greifen
und den Menschen finden

Kurt Wolff, S. 75f, in: Sigrid und Horst Klaus Berg (HG): Warten, daß er kommt. Advent und Weihnachten, 1986, Calwer/Kösel

Öffnungszeiten der Geschäftsstelle:
Die Geschäftsstelle ist von 24.-31. Dezmeber 2021 geschlossen.
Ab 03. Jänner 2022 sind wir zu den gewohnten Öffnungszeiten wieder für Sie da!

Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und den Ländern über die Elementarpädagogik ab dem Kindergartenjahr 2022/23 – es ist jetzt Zeit zu handeln

 Sehr geehrter Herr Bildungsminister Mag. Dr. Polaschek!
Sehr geehrte Frau Familienministerin MMag.a Dr.in Raab!
Sehr geehrter Herr Finanzminister Dr. Brunner, LL.M.!

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Doskozil!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Haslauer!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Kaiser!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Ludwig!
Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau Mag.a Mikl-Leitner!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Platter!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Schützenhöfer!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Stelzer!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Wallner!

 Ab Jänner 2022 starten die neuen Verhandlungen mit Ihnen und Ihren VertreterInnen zu den Schwerpunktsetzungen im Bereich elementarer Bildungseinrichtungen ab dem Kindergartenjahr 2022/23. Jetzt ist die Chance da, dass der Blick auf das gesunde, sichere und bildungsgerechte Aufwachsen für alle Kinder in Österreich verstärkt und wegweisend gerichtet wird. Gute elementare Bildungseinrichtungen können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, damit alle Kinder in gleichwertigen Rahmenbedingungen entwicklungsförderlich begleitet werden.

„Die flächendeckende, qualitätsvolle und vor allem bedarfsgerechte Kinderbetreuung ist ein wesentliches Ziel der österreichischen Gemeinden“, heißt es auch im Positionspapier des österreichischen Gemeindebundes, welches aktuell veröffentlicht wurde.
https://gemeindebund.at/oesterreichischer-gemeindebund-beschliesst-positionspapier-zur-kinderbetreuung/ (Stand: 14.12.2021)

Wir als ExpertInnen und PraktikerInnen im Bereich der elementaren Bildung sehen hier einen klaren Handlungsbedarf. Der oft zitierte Fleckerlteppich – da jedes Bundesland die finanziellen Mittel nach eigenen Kriterien vergeben kann – führt dazu, dass es österreichweit keine Mindestqualitätsstandards für die Parameter Gruppengröße, Fachkraft-Kind-Schlüssel, Ausstattung, Kosten, Inklusion usw. gibt.
In der UN-Kinderrechtskonvention – auch von Österreich unterzeichnet – werden Standards zum Schutz, Wohlbefinden, zur Entwicklung, Nichtdiskriminierung etc. von Kindern geregelt. Der Artikel 28 „Recht auf Bildung“ ist auch ein klarer Auftrag an die erste Bildungsinstitution Kindergarten (Anm.: in unserem Verständnis umfasst „Kindergarten“ jegliche Form der elementaren Kinderbildungs- und Betreuungsangebote). Eine kostenlose und inklusive Teilhabe sollte überall in Österreich für jedes Kind Standard sein.

Bildungspolitische Maßnahmen in der ersten Bildungseinrichtung setzen
Viele internationale Studien belegen den Nutzen einer guten frühkindlichen Bildung. Investitionen in diesem Bereich bringen dem Staat und der Gesellschaft ein Vielfaches zurück. Investitionen im frühkindlichen Bereich haben den größten „Return on Investment“. Jeder in frühkindliche Bildung investierte Euro lohnt sich! Je früher damit begonnen wird, desto besser.
Wir fordern Sie alle – Bildungsminister Martin Polaschek, Familienministerin Susanne Raab, Finanzminister Magnus Brunner und alle neun Landeshauptleute, Hans Peter Doskozil, Wilfried Haslauer, Peter Kaiser, Michael Ludwig, Johanna Mikl-Leitner, Günther Platter, Hermann Schützenhöfer, Thomas Stelzer und Markus Wallner daher auf, über Parteigrenzen hinweg langfristige Investitionen und qualitative Verbesserungen gemeinsam zu beschließen und diese auch verbindlich umzusetzen. Die anstehenden Vereinbarungen zur 15a-Regelung müssen jetzt dafür genutzt werden.

#kindergartenbraucht: einheitliche österreichweite Mindeststandards
Zu den wichtigsten Verbesserungen im Bereich der Qualität zählen die Verkleinerung der Gruppengröße und damit die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels. Diese müssen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend angepasst und österreichweit verbindlich umgesetzt werden.
Die Kosten für den Kindergartenbesuch sind nicht nur von Bundesland zu Bundesland verschieden, hier gibt es aufgrund einer Schieflage der Finanzierungssätze zugunsten öffentlicher Einrichtungen zusätzlich gravierende Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten BetreiberInnen. Im Sinne einer Chancengerechtigkeit muss das Ziel sein, dass jedes Kind Anspruch auf einen kostenlosen und qualitativ hochwertigen Kindergartenplatz hat.

Gelebte Inklusion
Der Kindergarten muss ein inklusiver Ort sein, wo alle Kinder einen Platz finden und selbstbestimmt, gleichberechtigt und umfassend teilhaben können. Dies muss unabhängig von Behinderungen, Geschlecht, Entwicklung, Religion oder sozialen und sozio-ökonomischen Bedingungen, unter denen Kinder aufwachsen, möglich sein. Inklusion heißt, dass es selbstverständlich ist, SpielkameradInnen und FreundInnen zu haben, die in ihren Ausdrucksmöglichkeiten, ihrem Tempo oder ihrer Leistungsfähigkeit anders sind. Eine inklusive Haltung unterstützt die Partizipation aller Kinder und wirkt Ausgrenzung von Anfang an entgegen.

Arbeitsbedingungen für MitarbeiterInnen
Im Sinne eines österreichweit gleich attraktiven Arbeitsmarktes für PädagogInnen braucht es bundesweit vergleichbare Rahmenbedingungen: Öffnungs- und Schließzeiten, Gehälter und Urlaubsanspruch müssen für alle MitarbeiterInnen gleich geregelt sein, denn wie die Kinder brauchen auch die MitarbeiterInnen von Vorarlberg bis ins Burgenland nachvollziehbare und einheitliche Bedingungen.

Erster Schritt: 1% vom BIP für die Elementarpädagogik
Dass das System der frühkindlichen Bildung in Österreich hinterherhinkt und unterfinanziert ist, zeigt der Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Hier sind Sie Herr Bundesminister Brunner für das Finanzressort gefordert, eine entsprechende Priorisierung der Budgetmittel vorzunehmen, damit die Qualitätsoffensive umgesetzt werden kann. In einem ersten Schritt muss das Budget von derzeit 0,6 % auf mindestens 1% vom BIP angehoben und langfristig auf eine gute und solide finanzielle Basis gestellt werden. Das Ziel für die nächsten Jahre muss sein, dass wir Schritt für Schritt zu einer Vorzeigenation im Bereich der elementaren Bildung werden – österreichweit und mit verbindlichen Mindeststandards.

https://awblog.at/beste-kinderbetreuung-und-bildung-leisten/ (Stand: 14.12.2021)
https://www.oecd-ilibrary.org/docserver/9789264264212-de.pdf?expires=1639489966&id=id&accname=guest&checksum=A783AF9FDB3BB8B353AA10C9C0EEAF7E (Bildung auf einen Blick 2016, S. 393, Stand: 14.12.2021)

Kinder und ihre Zukunft
Bereits spürbare Folgen der Pandemie zeigen auf, dass allen voran Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen von Sozialkontakten leiden. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft, wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass wir ihnen die bestmögliche Unterstützung und Begleitung zukommen lassen, damit sich alle gut entwickeln können. Sie dürfen nicht mit ihren Sorgen und Ängsten alleine gelassen werden. Ein Kindergarten, der über gut ausgebildete MitarbeiterInnen verfügt, die Zeit für jedes einzelne Kind haben, kann das. Im Sinne einer gelungenen Inklusion und in Anbetracht von möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie müssen Kinder, die in ihrer Entwicklung mehr benötigen, im Kindergartensetting durch ein Netzwerk – bestehend aus einem interdisziplinären Zusatzpersonal aus den Fachbereichen Inklusive Elementarpädagogik, Psychologie, Sozialarbeit, Ergotherapie, Logopädie etc. – begleitet werden. Als familienergänzende Institution kann im Bereich der Elementarpädagogik schnell und niederschwellig im Zusammenspiel mit Eltern zum Wohle des Kindes gehandelt werden.
Es ist Zeit, den Kindergarten nicht nur formal als erste österreichweite Bildungsinstitution anzuerkennen, sondern von politischer Seite auch Taten folgen zu lassen, die diesem Anspruch gerecht werden.

Was ist zu tun?
Einigen Sie sich auf qualitative österreichweite Mindeststandards, damit Kinder einen gelungenen Start in ihre Bildungslaufbahn erfahren und ElementarpädagogInnen ihr gesamtes Wissen und Können in der Praxis anwenden können.

Was ist notwendig
– Ein angemessener, auf Evidenz basierender Fachkraft-Kind-Schlüssel
– Weniger Kinder in den Gruppen
– Hohe Qualifikation des Personals und eine angemessene Entlohnung

Was ist der Output?
So können ElementarpädagogInnen qualitativ hochwertige Impulse setzen, Kinder gezielt in ihrer Entwicklung abholen und sie am Beginn ihrer Bildungslaufbahn sowie in ihrer individuellen Kompetenzentwicklung unterstützen. Ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel wirkt sich in allen Bereichen – sprachlich, motorisch, sozial-emotional sowie kognitiv, die ein Kind für eine ganzheitliche Entwicklung benötigt, positiv aus. Davon profitiert jedes einzelne Kind – und letztendlich auch der Staat, weil es gesunde und kompetente Erwachsene sein werden, die motiviert, engagiert und gut gestärkt ins Berufsleben einsteigen.

Im Namen von

AUFTRAG. BILDUNG. Trägerinitiative Kinderbetreuung mit ihren Mitgliedern: BÖE – Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen, Grete Miklin
Caritas Österreich, Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr
Diakonie Österreich, Mag.a Johanna Pisecky
Hilfswerk Österreich, Mag.a Martina Genser-Medlitsch
Österreichische Kinderfreunde, Mag.a Daniela Gruber-Pruner
St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien, Mag. Elmar Walter
Volkshilfe Österreich, Barbara Gracher, BA, MSc

BEBEK-Berufsgruppe der elementaren Bildungseinrichtungen Kärntens, Mag.a Elisabeth Nuart, BA
Berufsgruppe für PädagogInnen in Kinderbildungseinrichtungen Salzburgs (BPKS), Nico Etschberger BA, BEd
EduCare – Verein zur Förderung der Elementarbildung, Viktoria Miffek, MSc
FH Campus Wien, Studiengang „Sozialmanagement in der Elementarpädagogik“, Mag.a Nina Hover-Reisner
IFEB, Initiative für elementare Bildung, Judith Ernst
IG-Kinderbildung und -betreuung Salzburg und „Verein gemeinsam wachsen“, Cornelia Ernst
#kinderbrauchenprofis, Mag.a Karin Gasparitz
Landesverband für selbstorganisierte Kindergruppen und Elterninitiativen Vorarlbergs, Bea Madlener-Tonetti
NeBÖ-Netzwerk elementare Bildung Österreich, Natascha J. Taslimi Bakk.phil., MSc
Pikler-Hengstenberg-Gesellschaft Österreich, Mag.a Daniela Pichler-Bogner

(alphabetische Auflistung)

Kontakt und Rückfragehinweis:

St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien
Mag. Gabriele Zwick, 0664 610 13 98, g.zwick@nikolausstiftung.at

Hilfswerk Österreich
DI Roland Wallner, 0676 87 87 60 203, roland.wallner@hilfswerk.at

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

wir gratulieren Ihnen sehr herzlich zu Ihrer Ernennung zum Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Wir, die Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien, sind Expert*innen für die allerersten Bildungsjahre junger Menschen im Kindergarten. Als Mann der Wissenschaft möchten wir Sie auf die aktuell großen Herausforderungen der Elementarbildung mit wissenschaftlich fundierten Informationen aufmerksam machen:

Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Schuleinstieg und einer guten Bildungskarriere ist der mindestens drei, besser vier Jahre dauernde Besuch einer qualitativen elementaren Bildungseinrichtung. Benachteiligte Kinder profitieren besonders von elementarer Bildung mit guter Qualität und einer Mischung des sozio-ökonomischen Hintergrunds. (Quelle: Sylva et al., 2004)

Von unzähligen Studien bestätigt, bedeutet das: Bildungspolitische Maßnahmen sind am effizientesten im Kindergarten anzusetzen. Denn ein qualitativ hochwertiger Kindergarten ist ein bildungspolitischer Tausendsassa.

Investitionen in elementarpädagogische Bildungsqualität bringen Gesellschaft und Politik ein Vielfaches zurück. Für die Altersgruppe der 1- bis 6-Jährigen gilt ein so genannter Return on Investment von 7:1, das bedeutet: Jeder Euro, der jetzt investiert wird, kommt siebenfach zurück! (Quelle: Schweinhart 2005, Belfield 2006)

Was bedeutet Qualität in der Elementarbildung?

Die größte und längste Langzeitstudie Europas, die EPPSE-Studie[1] kam zu dem Ergebnis, dass von Qualität in der Elementarbildung gesprochen werden kann, wenn

  • gut ausgebildete Pädagog*innen, die wissen wie Kinder lernen, engagiert mit Kindern arbeiten,
  • kognitive und soziale Bildung im Kindergarten gleich wichtig sind,
  • es eine respektvolle Kinder-Erwachsenenbeziehung gibt und die Bildungsinhalte durch offene Fragen gemeinsam erarbeitet werden,
  • freies Spiel und pädagogische Impulse sich die Waage halten,
  • Kinder bei der Lösung von Konflikten unterstützt werden und
  • Eltern in den Bildungsprozess miteinbezogen werden.

Doch die Elementarpädagogik in Österreich braucht dringend Ihre Aufmerksamkeit, um diese Fakten zu erfüllen. Es braucht sehr rasch:

  • Einheitliche Richtlinien für die erste Bildungseinrichtung Kindergarten für alle Bundesländer,
  • eine hochwertige Ausbildung von Elementarpädagog*innen, die gerne in einen attraktiven und anerkannten Beruf einsteigen,
  • bessere Rahmenbedingungen für die elementarpädagogische Arbeit, allem voran weniger Kinder pro Pädagog*in (kleinere Gruppengrößen),
  • Ressourcen für eine gute Umsetzung der Bildungspartnerschaft und für Elternbildung.

Die Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien besteht aus den größten privaten gemeinnützigen Kindergartenträger*innen Wiens: Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, KIWI – Kinder in Wien und St. Nikolausstiftung. Zusammen bilden und betreuen wir rund 28.000 Kinder und decken zusammen 30 Prozent des elementaren Bildungs- und Betreuungsbedarfs in den Wiener Kindergärten und Horten ab.

Wir wissen, dass vor allem die Gruppengröße und der entsprechende Fachkraft-Kind-Schlüssel entscheidend für die Qualität der ersten Bildungseinrichtung sind. Nur so können qualitativ hochwertige Interaktionen gestaltet und Kinder beim Aufbau sicherer Beziehungen sowie in ihrer Selbstbestimmung, Kreativität und individuellen Kompetenzentwicklung unterstützt werden, wie etwa die mehrsprachliche Kompetenz mit Deutsch als Bildungssprache.

Nach wie vor gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung für den Fachkraft-Kind-Schlüssel, die immer wieder dringend von uns und anderen Expert*innen gefordert wird!

Vielmehr sind die Pädagog*innen durch ihre besondere Rolle, die sie während der Pandemie spielen (die Arbeit mit Kleinkindern ist mit Maske und Abstand unmöglich, nach wie vor keine flächendeckenden Lutschertests, Distance-Betreuung ist nicht möglich) am Rande ihrer Kräfte. Sie waren während jedes Lockdowns im Einsatz, der akute Pädaog*innen-Mangel wurde durch Krankenstände und Burnouts noch verschärft.

Österreich muss dringend in vorschulische Bildung investieren!

All das zeigen wir seit Jahren auf. Es ist längst an der Zeit, österreichweit einheitliche und verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen und gezielt in den Bereich der Elementarbildung zu investieren. Wir ersuchen Sie daher, sich intensiv und umgehend mit dem Anliegen der elementaren und außerschulischen Bildungseinrichtungen auseinanderzusetzen.

Wir stellen dazu gerne unsere Expertise zur Verfügung und würden uns sehr freuen,  weitere Aspekte der Situation der Elementarbildung in Österreich in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen,

die Geschäftsführer*innen der Trägerorganisationen Kinderfreunde Wien, KIWI – Kinder in Wien, Diakonie und St. Nikolausstiftung

[1] Das „Primary and Secondary Education project (EPPSE)” des University College London begleitete 2800 Kinder aus 141 verschiedenen öffentlichen und privaten elementaren Bildungseinrichtungen, sowie weitere 380 Kinder ohne oder mit kaum Vorschulbildung über 17 Jahre hinweg. Im Zentrum stand die Frage nach den Wirkungen, die elementare Bildung hat. https://www.ucl.ac.uk/ioe/sites/ioe/files/RB_Final_Report_3-7.pdf abgerufen am 12.11.2020

Österreich befindet sich mitten im 4. Lockdown – die Pandemie stellt viele erneut vor Herausforderungen, doch vor allem im Bereich der Kindergärten ist vieles unklar und wage. Doch eines ist klar: Die Kindergärten haben auch weiterhin geöffnet.
Elmar Walter, Susanna Haas, eine Leiterin und auch Eltern äußerten sich zur derzeitigen Situation – untenstehend finden Sie die Links zu den Medienberichten.

ORF ZIB 2 – Unmut über Lösung für Schulen, 19.11.2021 mit Susanna Haas

Ö1 Morgenjournal – 4. Lockdown: Kindergärten für mehr Tests und verkürzte Öffnung, 25.11.2021 mit Iris Misera, Leiterin Pfarrkindergarten Zu den Hl. Aposteln, und Elmar Walter

ATV Aktuell, 25.11.2021 um 17:20 Uhr und 19:20 Uhr – Elmar Walter und Eltern vom Pfarrkindergarten Kaiserebersdorf
(ab Minute 4:50)

Wie Sie sicherlich aus den Medien erfahren haben, tritt am Montag, 22.11.2021 ein weiterer Lockdown in Kraft. Mit dieser Maßnahme reagiert die Bundesregierung auf das aktuell sehr hohe Infektionsgeschehen und möchte eine Kontaktreduzierung erreichen, damit das Infektionsrisiko nachhaltig unterbrochen wird.

Was bedeutet das für den Kindergarten- und Hortbetrieb?
Aus den Medien wissen wir, dass Kindergärten, Horte und Schulen auch im Lockdown geöffnet bleiben. Seitens der Bundesregierung gibt es die Empfehlung, die Kinder zuhause zu betreuen.
ACHTUNG UPDATE: Bildungsminister Heinz Faßmann gibt keine klare Empfehlung für oder gegen den Besuch einer Bildungseinrichtung ab, die Entscheidung liege bei den Eltern.
Wir haben von unserer zuständigen Behörde noch keine konkrete Information erhalten, außer, dass die Besuchspflicht für Kinder im letzten Kindergartenjahr für den Zeitraum des Lockdowns aufgehoben ist.

Was können wir Eltern/Obsorgeberechtigten im Moment sagen?
Der erneute Lockdown für ganz Österreich wurde uns allen abermals sehr kurzfristig bekannt geben. Unsere Kindergärten und Horte sind – wie bisher auch – geöffnet. Im Sinne der Kontaktreduzierung ersuchen wir Eltern/Obsorgeberechtigte, wo es möglich ist, Kinder zuhause zu betreuen. Aufgrund der kurzfristigen Bekanntgabe und zum Wohle der Kinder können Kinder den Kindergarten/Hort besuchen.

Aus derzeitiger Sicht möchten wir Eltern/Obsorgeberechtigte darauf hinweisen, dass wir keine Kosten erlassen können. Sollte es andere Informationen dazu geben, melden wir uns umgehend.

Wir appellieren hiermit nochmals an alle Eltern/Obsorgeberechtigten, nur gesunde Kinder in den Kindergarten/Hort zu bringen.

An dieser Stelle müssen wir Sie einmal mehr um etwas Geduld bitten und informieren Sie, sobald wir seitens der Stadt Wien weitere Auskünfte erhalten.

Alles Gute
Ihre St. Nikolausstiftung

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Wichtige Information der Stadt Wien

Q&A-Livestream der Stadt Wien und Peter Hacker

Anbei laden wir Sie im Namen der Stadt Wien zu einem Q&A-Livestream
am Dienstag, 23.11.2021 um 20:30 Uhr
auf den Facebook-Seiten der Stadt Wien und von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker ein.

Thema:
Eure Fragen zur aktuellen Covid-Situation und der Schutzimpfung – Fokus Kindergarten

Sie sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen: Sie können im Vorhinein – entweder per E-Mail oder auf den Social-Media-Kanälen der Stadt Wien – Ihre Fragen stellen oder sie während der Übertragung in den Kommentaren auf den Facebook-Seiten posten. Der Livestream wird etwas länger als eine Stunde dauern und es wird versucht, so viele Fragen wie möglich aufzugreifen.

Beantwortet werden die Fragen von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, Dr.in Sevinc Yildirim (Kinder- und Jugendärztin im Kinderambulatorium Margareten), Dr.in Barbara Maier (Gynäkologin in der Klinik Ottakring) und Dr. Christoph Wenisch (Leiter Infektiologie der Klinik Favoriten).

Während des Livestreams wird auch Daniela Cochlar, Leiterin der MA10 – Wiener Kindergärten, anwesend sein und Fragen an die Expertinnen und Experten stellen, die im Bereich der Kindergärten bzw. der Kinderbetreuung häufig auftreten.

Hinweis: Bitte richten Sie spezifisch medizinische Fragen, die im Zusammenhang mit Ihrer Gesundheit stehen, an Ihre behandelten Ärztinnen und Ärzte.

Q&A Live! – Dienstag, 23. November – 20:30 Uhr
Eure Fragen zur aktuellen Covid-Situation und der Schutzimpfung
Fokus: Kindergärten

Stadt Wien: https://www.facebook.com/wien.at
Peter Hacker: https://www.facebook.com/peterhackerwien