Vereinbarung gemäß Art. 15a B-VG zwischen dem Bund und den Ländern über die Elementarpädagogik ab dem Kindergartenjahr 2022/23 – es ist jetzt Zeit zu handeln

 Sehr geehrter Herr Bildungsminister Mag. Dr. Polaschek!
Sehr geehrte Frau Familienministerin MMag.a Dr.in Raab!
Sehr geehrter Herr Finanzminister Dr. Brunner, LL.M.!

Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Doskozil!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Haslauer!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Kaiser!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Ludwig!
Sehr geehrte Frau Landeshauptfrau Mag.a Mikl-Leitner!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Platter!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Schützenhöfer!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Stelzer!
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Mag. Wallner!

 Ab Jänner 2022 starten die neuen Verhandlungen mit Ihnen und Ihren VertreterInnen zu den Schwerpunktsetzungen im Bereich elementarer Bildungseinrichtungen ab dem Kindergartenjahr 2022/23. Jetzt ist die Chance da, dass der Blick auf das gesunde, sichere und bildungsgerechte Aufwachsen für alle Kinder in Österreich verstärkt und wegweisend gerichtet wird. Gute elementare Bildungseinrichtungen können einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, damit alle Kinder in gleichwertigen Rahmenbedingungen entwicklungsförderlich begleitet werden.

„Die flächendeckende, qualitätsvolle und vor allem bedarfsgerechte Kinderbetreuung ist ein wesentliches Ziel der österreichischen Gemeinden“, heißt es auch im Positionspapier des österreichischen Gemeindebundes, welches aktuell veröffentlicht wurde.
https://gemeindebund.at/oesterreichischer-gemeindebund-beschliesst-positionspapier-zur-kinderbetreuung/ (Stand: 14.12.2021)

Wir als ExpertInnen und PraktikerInnen im Bereich der elementaren Bildung sehen hier einen klaren Handlungsbedarf. Der oft zitierte Fleckerlteppich – da jedes Bundesland die finanziellen Mittel nach eigenen Kriterien vergeben kann – führt dazu, dass es österreichweit keine Mindestqualitätsstandards für die Parameter Gruppengröße, Fachkraft-Kind-Schlüssel, Ausstattung, Kosten, Inklusion usw. gibt.
In der UN-Kinderrechtskonvention – auch von Österreich unterzeichnet – werden Standards zum Schutz, Wohlbefinden, zur Entwicklung, Nichtdiskriminierung etc. von Kindern geregelt. Der Artikel 28 „Recht auf Bildung“ ist auch ein klarer Auftrag an die erste Bildungsinstitution Kindergarten (Anm.: in unserem Verständnis umfasst „Kindergarten“ jegliche Form der elementaren Kinderbildungs- und Betreuungsangebote). Eine kostenlose und inklusive Teilhabe sollte überall in Österreich für jedes Kind Standard sein.

Bildungspolitische Maßnahmen in der ersten Bildungseinrichtung setzen
Viele internationale Studien belegen den Nutzen einer guten frühkindlichen Bildung. Investitionen in diesem Bereich bringen dem Staat und der Gesellschaft ein Vielfaches zurück. Investitionen im frühkindlichen Bereich haben den größten „Return on Investment“. Jeder in frühkindliche Bildung investierte Euro lohnt sich! Je früher damit begonnen wird, desto besser.
Wir fordern Sie alle – Bildungsminister Martin Polaschek, Familienministerin Susanne Raab, Finanzminister Magnus Brunner und alle neun Landeshauptleute, Hans Peter Doskozil, Wilfried Haslauer, Peter Kaiser, Michael Ludwig, Johanna Mikl-Leitner, Günther Platter, Hermann Schützenhöfer, Thomas Stelzer und Markus Wallner daher auf, über Parteigrenzen hinweg langfristige Investitionen und qualitative Verbesserungen gemeinsam zu beschließen und diese auch verbindlich umzusetzen. Die anstehenden Vereinbarungen zur 15a-Regelung müssen jetzt dafür genutzt werden.

#kindergartenbraucht: einheitliche österreichweite Mindeststandards
Zu den wichtigsten Verbesserungen im Bereich der Qualität zählen die Verkleinerung der Gruppengröße und damit die Verbesserung des Fachkraft-Kind-Schlüssels. Diese müssen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechend angepasst und österreichweit verbindlich umgesetzt werden.
Die Kosten für den Kindergartenbesuch sind nicht nur von Bundesland zu Bundesland verschieden, hier gibt es aufgrund einer Schieflage der Finanzierungssätze zugunsten öffentlicher Einrichtungen zusätzlich gravierende Unterschiede zwischen öffentlichen und privaten BetreiberInnen. Im Sinne einer Chancengerechtigkeit muss das Ziel sein, dass jedes Kind Anspruch auf einen kostenlosen und qualitativ hochwertigen Kindergartenplatz hat.

Gelebte Inklusion
Der Kindergarten muss ein inklusiver Ort sein, wo alle Kinder einen Platz finden und selbstbestimmt, gleichberechtigt und umfassend teilhaben können. Dies muss unabhängig von Behinderungen, Geschlecht, Entwicklung, Religion oder sozialen und sozio-ökonomischen Bedingungen, unter denen Kinder aufwachsen, möglich sein. Inklusion heißt, dass es selbstverständlich ist, SpielkameradInnen und FreundInnen zu haben, die in ihren Ausdrucksmöglichkeiten, ihrem Tempo oder ihrer Leistungsfähigkeit anders sind. Eine inklusive Haltung unterstützt die Partizipation aller Kinder und wirkt Ausgrenzung von Anfang an entgegen.

Arbeitsbedingungen für MitarbeiterInnen
Im Sinne eines österreichweit gleich attraktiven Arbeitsmarktes für PädagogInnen braucht es bundesweit vergleichbare Rahmenbedingungen: Öffnungs- und Schließzeiten, Gehälter und Urlaubsanspruch müssen für alle MitarbeiterInnen gleich geregelt sein, denn wie die Kinder brauchen auch die MitarbeiterInnen von Vorarlberg bis ins Burgenland nachvollziehbare und einheitliche Bedingungen.

Erster Schritt: 1% vom BIP für die Elementarpädagogik
Dass das System der frühkindlichen Bildung in Österreich hinterherhinkt und unterfinanziert ist, zeigt der Vergleich mit anderen europäischen Ländern. Hier sind Sie Herr Bundesminister Brunner für das Finanzressort gefordert, eine entsprechende Priorisierung der Budgetmittel vorzunehmen, damit die Qualitätsoffensive umgesetzt werden kann. In einem ersten Schritt muss das Budget von derzeit 0,6 % auf mindestens 1% vom BIP angehoben und langfristig auf eine gute und solide finanzielle Basis gestellt werden. Das Ziel für die nächsten Jahre muss sein, dass wir Schritt für Schritt zu einer Vorzeigenation im Bereich der elementaren Bildung werden – österreichweit und mit verbindlichen Mindeststandards.

https://awblog.at/beste-kinderbetreuung-und-bildung-leisten/ (Stand: 14.12.2021)
https://www.oecd-ilibrary.org/docserver/9789264264212-de.pdf?expires=1639489966&id=id&accname=guest&checksum=A783AF9FDB3BB8B353AA10C9C0EEAF7E (Bildung auf einen Blick 2016, S. 393, Stand: 14.12.2021)

Kinder und ihre Zukunft
Bereits spürbare Folgen der Pandemie zeigen auf, dass allen voran Kinder und Jugendliche unter den Einschränkungen von Sozialkontakten leiden. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft, wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass wir ihnen die bestmögliche Unterstützung und Begleitung zukommen lassen, damit sich alle gut entwickeln können. Sie dürfen nicht mit ihren Sorgen und Ängsten alleine gelassen werden. Ein Kindergarten, der über gut ausgebildete MitarbeiterInnen verfügt, die Zeit für jedes einzelne Kind haben, kann das. Im Sinne einer gelungenen Inklusion und in Anbetracht von möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie müssen Kinder, die in ihrer Entwicklung mehr benötigen, im Kindergartensetting durch ein Netzwerk – bestehend aus einem interdisziplinären Zusatzpersonal aus den Fachbereichen Inklusive Elementarpädagogik, Psychologie, Sozialarbeit, Ergotherapie, Logopädie etc. – begleitet werden. Als familienergänzende Institution kann im Bereich der Elementarpädagogik schnell und niederschwellig im Zusammenspiel mit Eltern zum Wohle des Kindes gehandelt werden.
Es ist Zeit, den Kindergarten nicht nur formal als erste österreichweite Bildungsinstitution anzuerkennen, sondern von politischer Seite auch Taten folgen zu lassen, die diesem Anspruch gerecht werden.

Was ist zu tun?
Einigen Sie sich auf qualitative österreichweite Mindeststandards, damit Kinder einen gelungenen Start in ihre Bildungslaufbahn erfahren und ElementarpädagogInnen ihr gesamtes Wissen und Können in der Praxis anwenden können.

Was ist notwendig
– Ein angemessener, auf Evidenz basierender Fachkraft-Kind-Schlüssel
– Weniger Kinder in den Gruppen
– Hohe Qualifikation des Personals und eine angemessene Entlohnung

Was ist der Output?
So können ElementarpädagogInnen qualitativ hochwertige Impulse setzen, Kinder gezielt in ihrer Entwicklung abholen und sie am Beginn ihrer Bildungslaufbahn sowie in ihrer individuellen Kompetenzentwicklung unterstützen. Ein guter Fachkraft-Kind-Schlüssel wirkt sich in allen Bereichen – sprachlich, motorisch, sozial-emotional sowie kognitiv, die ein Kind für eine ganzheitliche Entwicklung benötigt, positiv aus. Davon profitiert jedes einzelne Kind – und letztendlich auch der Staat, weil es gesunde und kompetente Erwachsene sein werden, die motiviert, engagiert und gut gestärkt ins Berufsleben einsteigen.

Im Namen von

AUFTRAG. BILDUNG. Trägerinitiative Kinderbetreuung mit ihren Mitgliedern: BÖE – Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen, Grete Miklin
Caritas Österreich, Mag.a Edith Bürgler-Scheubmayr
Diakonie Österreich, Mag.a Johanna Pisecky
Hilfswerk Österreich, Mag.a Martina Genser-Medlitsch
Österreichische Kinderfreunde, Mag.a Daniela Gruber-Pruner
St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien, Mag. Elmar Walter
Volkshilfe Österreich, Barbara Gracher, BA, MSc

BEBEK-Berufsgruppe der elementaren Bildungseinrichtungen Kärntens, Mag.a Elisabeth Nuart, BA
Berufsgruppe für PädagogInnen in Kinderbildungseinrichtungen Salzburgs (BPKS), Nico Etschberger BA, BEd
EduCare – Verein zur Förderung der Elementarbildung, Viktoria Miffek, MSc
FH Campus Wien, Studiengang „Sozialmanagement in der Elementarpädagogik“, Mag.a Nina Hover-Reisner
IFEB, Initiative für elementare Bildung, Judith Ernst
IG-Kinderbildung und -betreuung Salzburg und „Verein gemeinsam wachsen“, Cornelia Ernst
#kinderbrauchenprofis, Mag.a Karin Gasparitz
Landesverband für selbstorganisierte Kindergruppen und Elterninitiativen Vorarlbergs, Bea Madlener-Tonetti
NeBÖ-Netzwerk elementare Bildung Österreich, Natascha J. Taslimi Bakk.phil., MSc
Pikler-Hengstenberg-Gesellschaft Österreich, Mag.a Daniela Pichler-Bogner

(alphabetische Auflistung)

Kontakt und Rückfragehinweis:

St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien
Mag. Gabriele Zwick, 0664 610 13 98, g.zwick@nikolausstiftung.at

Hilfswerk Österreich
DI Roland Wallner, 0676 87 87 60 203, roland.wallner@hilfswerk.at

Sehr geehrter Herr Bundesminister,

wir gratulieren Ihnen sehr herzlich zu Ihrer Ernennung zum Bundesminister für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Wir, die Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien, sind Expert*innen für die allerersten Bildungsjahre junger Menschen im Kindergarten. Als Mann der Wissenschaft möchten wir Sie auf die aktuell großen Herausforderungen der Elementarbildung mit wissenschaftlich fundierten Informationen aufmerksam machen:

Der Schlüssel zu einem erfolgreichen Schuleinstieg und einer guten Bildungskarriere ist der mindestens drei, besser vier Jahre dauernde Besuch einer qualitativen elementaren Bildungseinrichtung. Benachteiligte Kinder profitieren besonders von elementarer Bildung mit guter Qualität und einer Mischung des sozio-ökonomischen Hintergrunds. (Quelle: Sylva et al., 2004)

Von unzähligen Studien bestätigt, bedeutet das: Bildungspolitische Maßnahmen sind am effizientesten im Kindergarten anzusetzen. Denn ein qualitativ hochwertiger Kindergarten ist ein bildungspolitischer Tausendsassa.

Investitionen in elementarpädagogische Bildungsqualität bringen Gesellschaft und Politik ein Vielfaches zurück. Für die Altersgruppe der 1- bis 6-Jährigen gilt ein so genannter Return on Investment von 7:1, das bedeutet: Jeder Euro, der jetzt investiert wird, kommt siebenfach zurück! (Quelle: Schweinhart 2005, Belfield 2006)

Was bedeutet Qualität in der Elementarbildung?

Die größte und längste Langzeitstudie Europas, die EPPSE-Studie[1] kam zu dem Ergebnis, dass von Qualität in der Elementarbildung gesprochen werden kann, wenn

  • gut ausgebildete Pädagog*innen, die wissen wie Kinder lernen, engagiert mit Kindern arbeiten,
  • kognitive und soziale Bildung im Kindergarten gleich wichtig sind,
  • es eine respektvolle Kinder-Erwachsenenbeziehung gibt und die Bildungsinhalte durch offene Fragen gemeinsam erarbeitet werden,
  • freies Spiel und pädagogische Impulse sich die Waage halten,
  • Kinder bei der Lösung von Konflikten unterstützt werden und
  • Eltern in den Bildungsprozess miteinbezogen werden.

Doch die Elementarpädagogik in Österreich braucht dringend Ihre Aufmerksamkeit, um diese Fakten zu erfüllen. Es braucht sehr rasch:

  • Einheitliche Richtlinien für die erste Bildungseinrichtung Kindergarten für alle Bundesländer,
  • eine hochwertige Ausbildung von Elementarpädagog*innen, die gerne in einen attraktiven und anerkannten Beruf einsteigen,
  • bessere Rahmenbedingungen für die elementarpädagogische Arbeit, allem voran weniger Kinder pro Pädagog*in (kleinere Gruppengrößen),
  • Ressourcen für eine gute Umsetzung der Bildungspartnerschaft und für Elternbildung.

Die Träger*inneninitiative Elementare Bildung Wien besteht aus den größten privaten gemeinnützigen Kindergartenträger*innen Wiens: Diakonie Bildung, Kinderfreunde Wien, KIWI – Kinder in Wien und St. Nikolausstiftung. Zusammen bilden und betreuen wir rund 28.000 Kinder und decken zusammen 30 Prozent des elementaren Bildungs- und Betreuungsbedarfs in den Wiener Kindergärten und Horten ab.

Wir wissen, dass vor allem die Gruppengröße und der entsprechende Fachkraft-Kind-Schlüssel entscheidend für die Qualität der ersten Bildungseinrichtung sind. Nur so können qualitativ hochwertige Interaktionen gestaltet und Kinder beim Aufbau sicherer Beziehungen sowie in ihrer Selbstbestimmung, Kreativität und individuellen Kompetenzentwicklung unterstützt werden, wie etwa die mehrsprachliche Kompetenz mit Deutsch als Bildungssprache.

Nach wie vor gibt es keine bundesweit einheitliche Regelung für den Fachkraft-Kind-Schlüssel, die immer wieder dringend von uns und anderen Expert*innen gefordert wird!

Vielmehr sind die Pädagog*innen durch ihre besondere Rolle, die sie während der Pandemie spielen (die Arbeit mit Kleinkindern ist mit Maske und Abstand unmöglich, nach wie vor keine flächendeckenden Lutschertests, Distance-Betreuung ist nicht möglich) am Rande ihrer Kräfte. Sie waren während jedes Lockdowns im Einsatz, der akute Pädaog*innen-Mangel wurde durch Krankenstände und Burnouts noch verschärft.

Österreich muss dringend in vorschulische Bildung investieren!

All das zeigen wir seit Jahren auf. Es ist längst an der Zeit, österreichweit einheitliche und verbesserte Rahmenbedingungen zu schaffen und gezielt in den Bereich der Elementarbildung zu investieren. Wir ersuchen Sie daher, sich intensiv und umgehend mit dem Anliegen der elementaren und außerschulischen Bildungseinrichtungen auseinanderzusetzen.

Wir stellen dazu gerne unsere Expertise zur Verfügung und würden uns sehr freuen,  weitere Aspekte der Situation der Elementarbildung in Österreich in einem persönlichen Gespräch mit Ihnen zu erörtern.

Mit freundlichen Grüßen,

die Geschäftsführer*innen der Trägerorganisationen Kinderfreunde Wien, KIWI – Kinder in Wien, Diakonie und St. Nikolausstiftung

[1] Das „Primary and Secondary Education project (EPPSE)” des University College London begleitete 2800 Kinder aus 141 verschiedenen öffentlichen und privaten elementaren Bildungseinrichtungen, sowie weitere 380 Kinder ohne oder mit kaum Vorschulbildung über 17 Jahre hinweg. Im Zentrum stand die Frage nach den Wirkungen, die elementare Bildung hat. https://www.ucl.ac.uk/ioe/sites/ioe/files/RB_Final_Report_3-7.pdf abgerufen am 12.11.2020

Österreich befindet sich mitten im 4. Lockdown – die Pandemie stellt viele erneut vor Herausforderungen, doch vor allem im Bereich der Kindergärten ist vieles unklar und wage. Doch eines ist klar: Die Kindergärten haben auch weiterhin geöffnet.
Elmar Walter, Susanna Haas, eine Leiterin und auch Eltern äußerten sich zur derzeitigen Situation – untenstehend finden Sie die Links zu den Medienberichten.

ORF ZIB 2 – Unmut über Lösung für Schulen, 19.11.2021 mit Susanna Haas

Ö1 Morgenjournal – 4. Lockdown: Kindergärten für mehr Tests und verkürzte Öffnung, 25.11.2021 mit Iris Misera, Leiterin Pfarrkindergarten Zu den Hl. Aposteln, und Elmar Walter

ATV Aktuell, 25.11.2021 um 17:20 Uhr und 19:20 Uhr – Elmar Walter und Eltern vom Pfarrkindergarten Kaiserebersdorf
(ab Minute 4:50)

Wie Sie sicherlich aus den Medien erfahren haben, tritt am Montag, 22.11.2021 ein weiterer Lockdown in Kraft. Mit dieser Maßnahme reagiert die Bundesregierung auf das aktuell sehr hohe Infektionsgeschehen und möchte eine Kontaktreduzierung erreichen, damit das Infektionsrisiko nachhaltig unterbrochen wird.

Was bedeutet das für den Kindergarten- und Hortbetrieb?
Aus den Medien wissen wir, dass Kindergärten, Horte und Schulen auch im Lockdown geöffnet bleiben. Seitens der Bundesregierung gibt es die Empfehlung, die Kinder zuhause zu betreuen.
ACHTUNG UPDATE: Bildungsminister Heinz Faßmann gibt keine klare Empfehlung für oder gegen den Besuch einer Bildungseinrichtung ab, die Entscheidung liege bei den Eltern.
Wir haben von unserer zuständigen Behörde noch keine konkrete Information erhalten, außer, dass die Besuchspflicht für Kinder im letzten Kindergartenjahr für den Zeitraum des Lockdowns aufgehoben ist.

Was können wir Eltern/Obsorgeberechtigten im Moment sagen?
Der erneute Lockdown für ganz Österreich wurde uns allen abermals sehr kurzfristig bekannt geben. Unsere Kindergärten und Horte sind – wie bisher auch – geöffnet. Im Sinne der Kontaktreduzierung ersuchen wir Eltern/Obsorgeberechtigte, wo es möglich ist, Kinder zuhause zu betreuen. Aufgrund der kurzfristigen Bekanntgabe und zum Wohle der Kinder können Kinder den Kindergarten/Hort besuchen.

Aus derzeitiger Sicht möchten wir Eltern/Obsorgeberechtigte darauf hinweisen, dass wir keine Kosten erlassen können. Sollte es andere Informationen dazu geben, melden wir uns umgehend.

Wir appellieren hiermit nochmals an alle Eltern/Obsorgeberechtigten, nur gesunde Kinder in den Kindergarten/Hort zu bringen.

An dieser Stelle müssen wir Sie einmal mehr um etwas Geduld bitten und informieren Sie, sobald wir seitens der Stadt Wien weitere Auskünfte erhalten.

Alles Gute
Ihre St. Nikolausstiftung

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Wichtige Information der Stadt Wien

Q&A-Livestream der Stadt Wien und Peter Hacker

Anbei laden wir Sie im Namen der Stadt Wien zu einem Q&A-Livestream
am Dienstag, 23.11.2021 um 20:30 Uhr
auf den Facebook-Seiten der Stadt Wien und von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker ein.

Thema:
Eure Fragen zur aktuellen Covid-Situation und der Schutzimpfung – Fokus Kindergarten

Sie sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen: Sie können im Vorhinein – entweder per E-Mail oder auf den Social-Media-Kanälen der Stadt Wien – Ihre Fragen stellen oder sie während der Übertragung in den Kommentaren auf den Facebook-Seiten posten. Der Livestream wird etwas länger als eine Stunde dauern und es wird versucht, so viele Fragen wie möglich aufzugreifen.

Beantwortet werden die Fragen von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker, Dr.in Sevinc Yildirim (Kinder- und Jugendärztin im Kinderambulatorium Margareten), Dr.in Barbara Maier (Gynäkologin in der Klinik Ottakring) und Dr. Christoph Wenisch (Leiter Infektiologie der Klinik Favoriten).

Während des Livestreams wird auch Daniela Cochlar, Leiterin der MA10 – Wiener Kindergärten, anwesend sein und Fragen an die Expertinnen und Experten stellen, die im Bereich der Kindergärten bzw. der Kinderbetreuung häufig auftreten.

Hinweis: Bitte richten Sie spezifisch medizinische Fragen, die im Zusammenhang mit Ihrer Gesundheit stehen, an Ihre behandelten Ärztinnen und Ärzte.

Q&A Live! – Dienstag, 23. November – 20:30 Uhr
Eure Fragen zur aktuellen Covid-Situation und der Schutzimpfung
Fokus: Kindergärten

Stadt Wien: https://www.facebook.com/wien.at
Peter Hacker: https://www.facebook.com/peterhackerwien

Kindergarten: erste und prägende Bildungsinstitution

Am 20. November 1989 wurden bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen die Rechte des Kindes beschlossen. Auch Österreich hat sich mit der Unterzeichnung verpflichtet, Kinderrechte ernst zu nehmen und diese bestmöglich umzusetzen.

373.881 Kinder haben im Kindergarten- und Hortjahr 2020/21 österreichweit einen Kindergarten, eine Kleinkindergruppe oder einen Hort besucht (Quelle: Statistik Austria). 2020 hat uns auch die Corona-Pandemie mit voller Wucht erwischt und aufgezeigt, wie wichtig verlässliche außerfamiliäre Bildungs- und Betreuungseinrichtungen für das Kindeswohl sind.

Corona-Pandemie zeigt die Schwachstellen im System auf

„Man erkennt den Wert einer Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächsten ihrer Glieder verfährt“, so ein bekanntes Zitat von Gustav Heinemann. Die Schwächsten in einer Gesellschaft sind zumeist Kinder, Menschen mit Beeinträchtigung und ältere Personen. Wer die mediale Berichterstattung in den letzten Wochen und Monaten verfolgt hat, kann die Appelle seitens VertreterInnen der Elementarpädagogik sowie des Pflegepersonals nicht überhört haben. Die Rahmenbedingungen passen in beiden Arbeitsbereichen nicht!

Artikel 28: Recht auf Bildung!

Die Trägerorganisationen KIWI – Kinder in Wien und St. Nikolausstiftung haben gemeinsam 175 Standorte in Wien. Mehr als 14.000 Kinder zwischen 0 und 10 Jahren werden in den Kindergärten und Horten gebildet und betreut. Wir nehmen den Tag der Kinderrechte als Anlass, um an die politisch Verantwortlichen, sowohl auf Landes- als auch auf Bundesebene, zu appellieren, den Fokus auf ein gesundes, faires und entwicklungsförderliches Aufwachsen eines jeden Kindes in Österreich zu legen.

Am 12. Oktober 2021 gingen in Wien 5000 ElementarpädagogInnen, AssistentInnen und bildungspolitisch aktive Menschen auf die Straße, um einmal mehr auf die unzureichenden Rahmenbedingungen in der Institution Kindergarten hinzuweisen. Nicht einmal in Wien sind die Voraussetzungen für den Kindergartenbesuch einheitlich geregelt. Jede private Trägerorganisation ist darauf angewiesen, einen zusätzlichen Elternbeitrag einzuheben, um den Betrieb gewährleisten zu können. Rund 70% der Kinder zwischen 0 und 10 Jahren gehen in Wien in einen privaten Kindergarten oder Hort (Quelle: Statistik Austria). Beitragsfrei ist der Kindergartenbesuch aber nur für rund 30% der Kinder, die eine Einrichtung der Stadt Wien besuchen. Und der Blick auf die anderen Bundesländer zeigt auch kein besseres oder gar einheitliches Bild. Im Sinne des Rechtes des Kindes auf Bildung muss ein kostenfreier Besuch einer elementarpädagogischen Einrichtung das klare Ziel sein. Die bevorstehenden Verhandlungen zur 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern bieten den geeigneten Anlass dafür, diese Initiative muss aber von allen Verantwortlichen in den Bundesländern gemeinsam erfolgen und mit Nachdruck verfolgt werden. Die Erhöhung des Budgets für elementare Bildung auf mindestens 1% vom BIP wird unumgänglich sein. Zum Vergleich: Die skandinavischen Vorzeigeländer Schweden und Norwegen geben 2% vom BIP für elementare Bildung aus.

Wir appellieren hier an Bund und Länder, damit sich die Rahmenbedingungen für die Elementarpädagogik für alle zum Positiven ändern.

Kindergarten legt den Grundstein für das weitere Leben  

Nie lernt ein Mensch so viel, wie in den ersten Lebensjahren. Der Kindergarten spielt dabei eine zentrale Rolle, wie auch viele Studien belegen. Höhere Investitionen in die elementare Bildung zahlen sich aus, weil die Kinder in allen Entwicklungsbereichen gestärkt werden. Für ein glückliches und erfolgreiches Leben sind viele Kompetenzen notwendig. Der ganzheitliche Ansatz, welcher einen gelungenen Kindergartenalltag prägt, vereint die Unterstützung und Förderung der Kinder in allen Bereichen. Vielfältige und gezielte Impulse in motorischen, sprachlichen, kognitiven und sozial-emotionalen Entwicklungsbereichen stärken Kinder für ihr weiteres Leben. „Die Welt trifft sich im Kindergarten“ – und so ist der Kindergartenalltag geprägt von Gemeinschaft, Konflikten, emotionalem Stress, Gefühlen wie Freude, Wut, Angst, Traurigkeit und vielem mehr. Kinder darin zu begleiten, erfordert sehr viel Fachwissen, Empathie, Geduld und vor allem Zeit für das einzelne Kind. Damit jedes Kind, unabhängig von seinen Bedürfnissen, seiner Herkunft, des sozialen Umfelds, des Geschlechts, gesundheitlicher Beeinträchtigungen faire und entwicklungsförderliche Bedingungen vorfindet, braucht die Bildungsinstitution Kindergarten mehr Ressourcen.

Viele Entscheidungen der letzten Monate wurden – und werden immer noch – ohne Rücksicht auf Bedürfnisse von Kindern entschieden. Mehr denn je fordern wir die PolitikerInnen auf, das Wohl der Kinder an die erste Stelle zu stellen und alle Entscheidungen mit dem Bewusstsein, die Kinderrechte zu wahren, zu prüfen und danach zu treffen.

Rückfragehinweis:

St. Nikolausstiftung
Mag.a Gabriele Zwick
g.zwick@nikolausstiftung.at, 0664 610 13 98

Kinder in Wien
Susanne Borth, MSc
s.borth@kinderinwien.at, 0664 886 89 008
www.kinderinwien.at

Online-Infotermin des Bachelorstudiums Sozialmanagement in der Elementarpädagogik

WANN: 26. November 2021, 16.00 Uhr,
WIE: Online-Session via Zoom

Allgemeine Informationen zu den Online-Sessions: www.fh-campuswien.ac.at/online-infosessions

Vortragende, Studierende und Absolvent*innen des Bachelorstudiums Sozialmanagement in der Elementarpädagogik laden zum Online-Termin und gemeinsamen Austausch. In einem Kurzvortrag wird der Studiengang vorgestellt, danach ist es möglich Fragen an Vortragende und aktuell Studierende zu richten.

Teilnahme

Zur Teilnahme über ZOOM melden Sie sich bitte hier an, die Zugangsdaten bekommen Sie dann per Mail zugeschickt:
https://us06web.zoom.us/webinar/register/WN_KufEXBAtRTaQ2BoS36VQQA
Meeting-ID: 847 6215 1166

Für eine mobile Teilnahme laden Sie sich am besten rechtzeitig vorab die Zoom-App vom Apple App Store oder Google Play Store auf Ihr Handy.

Informationen zum Studium

Sie sind KindergartenpädagogIn mit Berufs- und Leitungserfahrung? In Ihrer Leitungsfunktion möchten Sie Ihr Fachwissen erweitern und vertiefen, neue Konzepte  und Theorien kennenlernen sowie Erfahrungen kritisch reflektieren. Sie wollen Ihre Einrichtung gut organisieren und Ihr Team bestmöglich begleiten.

Video der letztjährigen Infosession auf YouTube: https://youtu.be/5EJSvhqUrXo

FOTO: FH Campus Wien

WICHTIGES UPDATE:

Die Interpädagogica wurde aufgrund der aktuellen Pandemiesituation verschoben.
Neuer Termin: 12.-14. Mai 2022, Messe Wien

Wir freuen uns auf ein gesundes Wiedersehen im Frühjahr 2022.


Fachvortrag: In Beziehung sein – gerade in schwierigen Zeiten

WANN: Donnerstag, 18.11.2021, 15:30 – 16:20 Uhr
WO: Messe Wien, Seminarbereich 1. Stock, Raum Schubert 6

Eine feinfühlige Beziehung zwischen Kind und PädagogIn ist der Kern pädagogischen Handelns. Sie trägt dazu bei, die kindliche Entwicklung zu unterstützen, den Kompetenzerwerb zu fördern und das Kind in seiner Neugierde auf das Leben zu begleiten.
Eine gelebte Pädagogik „vom Kind aus“ setzt diese feinfühlige Beziehung im Grunde voraus. Entwicklungsbegleitung kann nur dann gelingend verlaufen, wenn es möglich wird, Kindern empathisch zu begegnen.
Im Vortrag werden Grundlagen zum Thema der feinfühligen Beziehung zwischen PädagogIn und Kind erläutert. Ebenso wird der Frage nachgegangen, wie es ElementarpädagogInnen mit Blick auf mögliche Ressourcen gelingen kann, die Beziehung zum Kind auch in herausfordernden Zeiten, wie z.B. im Rahmen der aktuell immer noch andauernden Pandemie, sicher und emotional stabil zu gestalten.

Referentin: Mag. Gabriele Augustin, Fachberatung

In 26 Kindergärten in Wien ist gestern die neue Bewegungsinitiative „Beweg dich schlau!“ mit Felix Neureuther gestartet. Der Skistar und der Partner ServusTV unterstützen die St. Nikolausstiftung und deren Pädagog*innen bei der Fortbildung sowie mit Spiel- und Sportgeräten.

„Beweg dich schlau!“ (BDS) heißt es ab sofort in 26 Kindergärten in der Bundeshauptstadt Wien. Mit der Ausbildung der Pädagogen und Pädagoginnen zu offiziellen BDS-Kindergarten-Coaches und der Übergabe von insgesamt 55 blauen BDS-Boxen mit altersgerechten Spiel- und Sportgeräten kann es in den kommenden Tagen nun vor Ort in den Kindergärten richtig losgehen. Initiiert und entwickelt wurde das in dieser Form einmalige Trainings- und Aktionsangebot von Felix Neureuther in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität München. Der Skistar ließ es sich nicht nehmen, den Pädagog*innen am Ausbildungstag persönlich einen Besuch abzustatten. Die kostenlose Teilnahme der Kindergarten-Einrichtungen in der Bundeshauptstadt wird durch die Felix-Neureuther-Stiftung gemeinsam mit der
St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien (STN) und durch die großartige Unterstützung des Partners ServusTV ermöglicht.

Die Kindergesundheit liegt uns allen am Herzen.

Hintergrund der Initiative ist ein besorgniserregender Bewegungsmangel bei Kindern bereits im Kindergartenalter: „Schon vor Corona mussten wir einen dramatischen Bewegungsmangel bei Kindern feststellen. Die Pandemie hat das Problem nun katastrophal verschärft. Laut der COPSY-Studie machen 40 Prozent der Kinder derzeit überhaupt keinen Sport mehr. Kein Kinderturnen, Sportvereine und Sportanlagen geschlossen, kein Rumtollen mit Freunden. Kinder haben die Maßnahmen zur Einschränkung der Corona-Pandemie sehr hart getroffen. Ihr Bewegungsdrang wurde enorm eingeschränkt. Da will ich nicht tatenlos zusehen! Deshalb bin ich mit meiner Stiftung seit Januar 2020 unterwegs, um Kinder wieder in Bewegung zu bringen!“, appelliert Felix Neureuther.

Unterstützt wird die Initiative vom Partner ServusTV. Der Salzburger Privatsender hat bereits Anfang des Jahres mit „BEWEG DICH! – Die Bewegung für mehr Bewegung“ eine österreichweite Initiative ins Leben gerufen, um mehr Kinder und Jugendliche für Sport und Bewegung zu begeistern. Mittlerweile konnten über 6.300 österreichische Sportvereine im Nachwuchsbereich gefördert werden. Durch die Partnerschaft mit Felix Neureuther und „Beweg dich schlau!“ sollen nun auch Kindergärten gezielt unterstützt werden.

Und Susanna Haas – pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien als engagierter Träger, freut sich über die große Anzahl Kindergärten, denen dieses Projekt zugutekommt. „Ich bin froh über die sehr positive Resonanz auf unseren Aufruf. Das Interesse und das Engagement zeigen, dass uns allen gemeinsam die Kinder am Herzen liegen. Bewegung ist immer ein wichtiger Teil des Kindergartenalltags und wir freuen uns, durch das teilweise neue Material, die Workshops sowie die anregenden Aktionskarten weitere Bewegungsimpulse im Alltag zu setzen. In diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön an ServusTV und die Felix-Neureuther-Stiftung, dass diese so wichtige Gesundheitsinitiative für Kinder komplett kostenfrei zur Verfügung gestellt werden kann“, bekräftigt Haas.

Das ist „Beweg dich schlau!“ (BDS)

Das in dieser Form einmalige Trainings- und Aktionsangebot umfasst spielerische Bewegungsübungen, die Kopf und Körper gleichzeitig aktivieren. Das Projekt BDS-Kindergarten richtet sich primär an Kinder in den Altersgruppen von 1 bis 3 Jahren sowie von 4 bis 6 Jahren und enthält für jede Altersgruppe ein speziell zugeschnittenes Angebot. Die Kinder sollen im Projekt altersentsprechende Wahrnehmungs- und Bewegungsimpulse bekommen und damit in ihrer motorischen, kognitiven und emotional-sozialen Entwicklung gefördert werden. Zusätzlich sollen Kinder über gesundheitsfördernde Strukturen in den Kindergärten in ihrem gesundheitsfördernden Verhalten unterstützt werden. Das Angebot soll in das Konzept der Einrichtung eingebaut werden ‒ wann und in welchem Umfang liegt im Ermessen des Kindergartens. Hierzu werden die teilnehmenden Standorte über zwei Jahre mit Workshops und unterstützenden Unterlagen begleitet, um dann die weitere Umsetzung im Kindergarten selbstständig und nachhaltig zu realisieren.

www.bewegdichschlau.de / www.felix-neureuther-stiftung.de

Das ist ServusTV BEWEG DICH!

Die Bewegung für mehr Bewegung

Ziel dieser Initiative ist es, mehr Kinder und Jugendliche für Sport und Bewegung zu begeistern und somit auch ihre Gesundheit nachhaltig zu fördern. Wir möchten – gemeinsam mit euch – bessere Voraussetzungen dafür schaffen und euch finanziell unterstützen. Denn finanzielle Hilfe fehlt im Vereinsalltag oft dort, wo sie am meisten gebraucht wird – im Nachwuchsbereich. Deshalb stellt ServusTV für den Nachwuchs (im Alter von 6 bis 16 Jahren) in den 15.000 österreichischen Sportvereinen einen Gesamtbetrag von 15 Millionen Euro zur Verfügung.

www.servustv.com/bewegdich

Bildcredit: Michaela Pranter, ViennaShots

„Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung“ fordert bundesweite, verbesserte Qualitätsstandards für die elementare Bildung

Wien (OTS) – Aktuell entscheidet die Postleitzahl, welche Betreuungsschlüssel, Öffnungszeiten, Ausbildungen der Assistenzkräfte, Raumangebote, Sprachförderungen etc. es in den Kindergärten und Krippen gibt. Denn die Ausgestaltung des elementarpädagogischen Sektors ist weitestgehend Sache der Bundes­länder. In der Praxis bedeutet das: völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen für die elementare Bildung, so die Kritik von „Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung“, einem Zusammen­schluss führender gemeinnütziger Träger privater elementarpädagogischer Einrichtungen. „Wir begrüßen es, wenn Bildungsminister Heinz Faßmann, Familienministerin Susanne Raab und Klubobfrau Sigi Maurer die Beseitigung des Fleckerlteppichs in Österreich vorantreiben sowie die elementarpädagogischen Qualitätsstandards vereinheitlichen und verbessern wollen“, sagt Edith Bürgler-Scheubmayr, Geschäftsführerin der Caritas für Kinder und Jugendliche in Oberösterreich.

„Angesichts der großen Unzufriedenheit vieler Beschäftigter in diesem Berufsfeld möchten wir die politischen Verantwortungsträger ermutigen, ihren Worten rasch Taten folgen zu lassen und die notwendigen Budgetmittel für eine Qualitätsoffensive in der Elementarpädagogik bereitzustellen.

Unabhängig von Einkommen und Wohnort der Eltern müssen wir für alle Kinder in Österreich den bestmöglichen Einstieg ins lebenslange Lernen sicherstellen sowie attraktive Arbeitsbedingun­gen für PädagogInnen und Assistenzkräfte gewährleisten“, ist Barbara Tschofenig, Leiterin der Fachstelle Kinderbetreuung in der Volkshilfe Steiermark überzeugt. „Es ist höchst an der Zeit, dass die Bundesregierung nun mehr Geld in die Bildung und Betreuung von Kindern unter sechs Jahren investieren will: nicht nur in den quantitativen Ausbau, sondern vor allem in eine kontinuierliche Qualitätssteigerung“, sagt Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich.

Investitionen in die frühkindliche Bildung sind auch volkswirtschaftlich sinnvoll

In der Fachwelt herrsche Einigkeit darüber, dass Investitionen in frühkindliche Bildung und Sprachkompetenz, die Lebenschancen der Heranwachsenden in einer wissens-, innovations- und technologiebasierten Gesellschaft wesentlich verbessern, so Elmar Walter, Geschäftsführer der St. Nikolausstiftung Erzdiözese Wien, und fährt fort: „Aktuelle Studien zeigen, dass sich eine angemessene finanzielle Förderung elementarpädagogischer Einrichtungen auch volkswirtschaftlich rentiert.“

Im Forschungsbericht 2018 des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF) wurde der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze von 2005 bis 2016 einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen. Zu Beginn dieses Zeitraums überwogen die Ausgaben, doch schon 2015 zeichnete sich ab, dass die Summe der Rückflüsse (z. B. durch Lohnsteuern und Sozialabgaben) letztendlich höher ausfielen als jene der getätigten Investitionen.

Die Industriellenvereinigung wiederum ließ in einer aktuellen Modellrechnung die Kosten für eine qualitative und quantitative Aufwertung des elementarpädagogischen Sektors bis 2030 erheben. Ohne die oben skizzierten Reformen würde dessen jährlicher Finanzierungsbedarf bei 2,75 Mrd. Euro liegen. Preist man die Reformen jedoch ein (inkl. akademischer Aufwertung der pädagogischen Ausbildung, höherer Gehälter sowie eines zweiten verpflichtenden Kindergartenjahrs etc.) läge der zusätzliche Bedarf an Investitionen bei 344 Mio. Euro pro Jahr. Davon flössen aber rund 56 Prozent wieder an den Fiskus zurück. Somit ergäbe sich ein jährlicher Nettomehrbedarf von 183 Mio. Euro.

„Dieser Betrag entspricht genau den Kosten für 18,9 neu gebaute Autobahnkilometer der A5 oder 4,6 sanierte Kilometer der Wiener Südosttangente“, rechnet Martina Genser-Medlitsch, fachliche Leitung des Bereichs Kinder, Jugend und Familie im Hilfswerk Österreich, vor und meint abschließend: „Ausgaben, die im Straßenbau bedenkenlos akzeptiert werden, sollten für die Elementarpädagogik recht und billig sein. Krippe, Kindergarten und Hort sind keine Aufbewahrungsorte, sondern Bildungsinstitutionen, deren Qualität die Lebenschancen unserer Kinder maßgeblich beeinflusst.”

Bund muss für österreichweite elementarpädagogische Mindeststandards sorgen

Über so genannte 15a-Vereinbarungen erbringt der Bund Anschubfinanzierungen für Vorhaben, die über den elementarpädagogischen Regelbetrieb hinausgehen. Die nächste diesbezügliche 15a-Vereinarung soll im September 2022 in Kraft treten. Die Trägerinitiative Kinderbetreuung appelliert an die Bundesregierung, in den Verhandlungen mit den Ländern auf österreichweiten elementarpädago­gischen Mindeststandards zu bestehen, deren Einhaltung zu kontrollieren und die Zuteilung von Budgetmitteln daran zu knüpfen. „Denn der bestehende Fleckerlteppich verhindert, dass Österreich die 2002 im EU-Rat beschlossenen Barcelona-Ziele erreicht und Anschluss an die elementarpädagogischen Musterländer in Skandinavien findet“, sagt Daniel Bohmann, Geschäftsführer der Kinderfreunde Österreich.

Ein wesentliches Barcelona-Ziel ist es, die Ausgaben für den elementarpädagogischen Sektor in den EU-Mitgliedsstaaten auf 1 Prozent des BIP zu erhöhen. Österreich hält derzeit bei 0,64 Prozent, für die Trägerinitiative Kinderbetreuung ein bildungs- und gesellschaftspolitisches Armutszeugnis. „Wir fordern deshalb nicht nur die Anhebung der laufenden Investitionen auf 1 Prozent des BIP. Für die strukturelle Verbesserung des elementarpädagogischen Angebots benötigt Österreich auch eine zusätzliche Kindergartenmilliarde“, meint Grete Miklin, Geschäftsführerin des Bundesverbands Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen.

Die wichtigsten politischen Handlungsfelder

Verfügbarkeit: Eine qualitätsgesicherte, flächendeckende Bildung und Betreuung der Kinder ist der Schlüssel zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Die Öffnungszeiten müssen Eltern ein berufliches Fortkommen ermöglichen, unabhängig vom Wohnort. Auch die Trägerinitiative Kinderbetreuung fordert den Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung.

Bildungsqualität: Mehr Präsenz der PädagogInnen in den Gruppen durch Entlastung bei den bürokratischen Aufgaben! Fachkraft-Kind-Schlüssel: In Kinderkrippen (0- bis 3-Jährige) maximal zehn Kinder und, je nach Altersverteilung, ein Schlüssel von 1:3 bis maximal 1:5. In Kindergartengrup­pen (2,5- bis 6-Jährige): maximale Gruppengröße von 20 Kindern, je nach Altersverteilung ein Schlüssel von 1:5 bis maximal 1:7. Für die Fachkraft-Kind-Schlüssel in den Gruppen ist zudem der Anteil der Kinder mit nicht-deutscher Muttersprache oder mit Behinderungen zu berücksichtigen. Derzeit schwanken die Schlüssel in den Bundesländern zwischen 1:5 und 1:25.

Ausbildung: Klare Definition der Berufsbilder Hilfskraft, AssistentIn und Fachkraft sowie Etablierung maßgeschneiderter Ausbildungsmodule! Um die angespannte Personalsituation zu verringern, sollten AssistentInnen bei Eignung nach mehrjähriger Berufspraxis eine bezahlte berufsbegleitende Qualifikation zur Fachkraft absolvieren dürfen. Aktuell müssen AssistentInnen je nach Bundesland zwischen 0 (!) und 520 Stunden an einschlägigen Schulungsstunden belegen. Im Übrigen ist jede Verbesserung der Rahmenbedingungen im elementaren Sektor eine Chance, ausgebildete ElementarpädagogInnen ins Berufsfeld zurückholen. Das muss angesichts des PädagogInnen-Mangels als schnelle und lösungsorientierte Variante der Personalgewinnung mitbedacht werden.

Angebote: Flächendeckendes Angebot an Plätzen für Kinder bis drei Jahren – auch für Kinder mit Behinderungen! Vielen Gemeinden fehlt es heute an Geld, ihren BürgerInnen Bildungs- und Betreuungsangebote für die Allerjüngsten anzubieten. Sprachförderung: Kraft Ausbildung müssen ElementarpädagogInnen in der Lage sein, eine am individuellen Kindeswohl orientierte und in den pädagogischen Alltag integrierte Förderung der Sprachkompetenzen zu leisten. Dafür braucht es spezifische Fortbildungen sowie Reflexionsmöglichkeiten mit LogopädInnen, PsychologInnen etc. – und entsprechende Förderungen für die Träger.

Über „Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung”

BÖE (Bundesverband Österreichischer Elternverwalteter Kindergruppen), Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Kinderfreunde, St. Nikolausstiftung und Volkshilfe haben sich unter dem Namen „Auftrag Bildung. Trägerinitiative Kinderbetreuung“ zusammengeschlossen, um Anliegen und Positionen im Bereich der Elementarpädagogik gemeinsam zu vertreten. Als gemeinnützige Träger privater Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen ist es das Ziel, praktisches Know-how und fachliche Inputs einzubringen. Die wichtigsten Anliegen sind: Fachkräftemangel, nachhaltige Verbesserung der pädagogischen Qualität, die Gestaltung österreichweiter, den wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasster Rahmenbe­dingungen sowie die Durchforstung des Förderdschungels.

Rückfragen & Kontakt:

Hilfswerk Österreich, Bundesgeschäftsstelle
DI Roland Wallner
01 / 4057500-230, Mobil: 0676 / 8787 60203
roland.wallner@hilfswerk.at

St. Nikolausstiftung
Mag. Gabriele Zwick
0664 6101398
g.zwick@nikolausstiftung.at

Zu große Gruppen und eine ungleiche Behandlung von privaten und öffentlichen Einrichtungen sorgen bei PädagogInnen für Unmut.
Am 12. Oktober 2021 bleiben die Kindergärten der privaten Trägerorganisationen in Wien (Kinderfreunde Wien, Diakonie Bildung, Kinder in Wien und St. Nikolausstiftung) bis 12:30 Uhr geschlossen. Die MitarbeiterInnen treffen sich um 10 Uhr zu einer öffentlichen Betriebsversammlung im Votivpark und fordern gemeinsam bessere und einheitliche Rahmenbedingungen für den Kindergarten.

“Wir sind realistisch und fordern einen Stufenplan“, betont Susanna Haas, pädagogische Leiterin der St. Nikolausstiftung im Gespräch mit dem Kurier.

Den ausführlichen Bericht über die Baustellen in der Elementarpädagogik gibt es hier zum Nachlesen.